Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4227-3480370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 308 — Unterricht erteilt werden soll. Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß man die jüdische Wissenschaft, sowie die meisten humanistischen Fächer in hebräischer Sprache unterrichten kann. (Beifall.) Wenn Bedenken aufkommen, so beziehen sie sich auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Gegenstände. Zwar werden am Gymnasium in Jaffa die Naturwissenschaften in hebräischer Sprache gelehrt, doch ist es nochzweifelhaft, ob man für den höheren Unterricht bereits eine genügende Terminologie bccitzt, und ob nicht die wissenschaftliche Seite des Unterrichts schwer leiden würde, wenn man die hebräische Sprache schon jetzt einführt. Aber ich glaube nicht, daß hier eine unüberwindliche Schwierigkeit vorliegt, es gibt Beispiele genug in der Geschichte junger Völker, die bei Gründung von Universitäten sich erst Lehrbücher und technische Termini beschaffen mußten, um den Unterricht in der nationalen Sprache führen zu können. Wir haben ein prägnantes Beispiel aus neuester Zeit. Die Deutschen richten gegenwärtig in China eine Hochschule ein und führen es durch, daß sämtliche Fächer allmählich in chinesischer Sprache gelehrt werden, was natürlich unvergleichlich schwieriger ist, als in unserem Falle. Das Hebräische ist in seiner Biegsamkeit sehr geeignet zur Bezeichnung von wissenschaftlichen Begriffen, und wenn den Dozenten genügende Zeit zur Vorbereitung gegeben wird, so könnten sie sich allmählich in die schwierige Auigabe hineinarbeiten. Es wäre möglich, daß in den ersten Jahren der Unterricht in sprachlicher Beziehung gemischt bleibt, daß aber eine Hebraisierung des Unterrichts angestrebt wird. Außer den nationalen Gründen dürften schon die rein technischen Gründe auf eine möglichst schnelle Hebraisierung drängen, denn man muß mit einer Studentenschaft rechnen, die aus Mittelschulen mit den verschiedensten Unterrichtssprachen kommt. Als gemeinsames Band für diese, in sprachlicher Beziehung heterogene Studentenschaft dürfte sich das Hebräische in Palästina in ganz natürlicher Weise ergeben. Aus dem soeben Gesagten folgt mit zwingender Notwendigkeit eine sehr wichtige praktische Forderung, und zwar der Ausbau und die Entwicklung unserer Nationalbibliothek in Jerusalem. Wie bescheiden unsere Hochschule am Anfang sein mag, so wird sie für ihr Bestehen und für ihre gedeihliche Entwicklung und ganz besonders für die Beschaffung von Lehrbüchern in der hebräischen Sprache einer guten Bibliothek bedürfen. Unsere Nationalbibliothek würde deshalb ein wichtiger Grundstein im Bau der Hochschule werden. Bei den humanistischen Fakultäten ist die Bibliothek der wichtigste und auch teuerste Punkt. In dem Bereich der vorbereitenden Arbeiten wird auch eine intensive Agitation für die Unterstützung der Nationalbibliothek fallen müssen. Während sich die Universität zu einer wirklichen Lehranstalt noch entwickelt, wird ihr bereits eine bedeutsame Aufgabe im Lande zufallen. Sie wird nach dem Muster moderner europäischer Hochschulen der Volkserziehung durch die Einrichtung von Volkshochschulkursen, Ferienkursen dienen. So würde eine medizinische Fakultät in der Lage sein, für die Verbreitung der Kenntnisse