Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 314)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 307 — Die Universite JLibre, Brüssel, die heute zu den schönsten Universitäten Europas zählt, wurde 1810 mit sechs Professoren eröffnet. Im Jahre 1834 wurde sie wieder reorganisiert mit einem Budget von Frcs. 13 000 und außerdem stellte die Munizipalität der Universität das Museum und die Hospitäler zur Verfügung. 1884 schreibt Ernest Rousseau wie folgt: „Die Summe, welche für die Universität gezeichnet wurde, übertraf nicht 45 000 Frcs. Das erste Budget hat 35 000 Frcs. vorgesehen als Gehalt für 35 Professoren. Die Universität war zu arm, um ein Mikroskop zu kaufen, und der Professor stellte das seinige den Studenten zur Verfügung. Die Assistenten und Prosektoren haben selber die Sammlungen angefertigt, und sehr oft geben sie einen Teil ihrer bescheidenen Gehälter her, um die nötigen Materialien einkaufen zu können." In Jerusalem sind schon einige Vorbedingungen vorhanden, um die Schaffung einer medizinischen Fakultät nach einiger Zeit zu ermöglichen. Die Anfänge eines bakteriologischen und pathologischen Instituts sind durch die Tätigkeit des Vereines jüdischer Aerzte gegeben. Konsolidiert man diese Institute, so ist es nicht schwer,, sich vorzustellen, daß sie einen Kern bilden könnten, aus dem sich in Zukunft eine gute medizinische Schule entwickeln kann. Gesetzt aber, man hätte eine medizinische Schule von Grund aus neu aufgebaut, so dürfte sich der Kostenvoranschlag für den Anfang folgendermaßen gestalten: 1. Aufbau und Einrichtung einer Schule samt Hospital und Bibliothek Frcs. 1 500 000, Jähresetat Frcs. 240 000. Ein Kostenvoranschlag über eine medizinische Fakultät liegt bereits vollkommen ausgearbeitet vor, wobei bereits bestehende Institute im Orient sowie kleinere europäische Institute sowohl bezüglich der einmaligen Ausgaben wie auch des Jahresbudgets zum Vergleich herangezogen worden sind. Freilich liegen die Verhältnisse bei den humanistischen Fächern viel einfacher. Wir haben als Typus einen Kostenvoranschlag für eine juristisch-staatswissenschaftliche Fakultät aufgestellt. Die Kosten hierfür sind: 2. Juristisch-staatswissenscjiaftliche Fakultät, Bibliothek und Wohnungseinrichtung Frcs. 150 000, Jahresetat Frcs. 75 000. Es kann sich auch aus einer näheren Untersuchung ergeben, daß es besser wäre, einzelne Fakultäten nicht auf einmal hinzustellen, sondern einzelne Institute aufzubauen. So ist z. B. die Begründung eines chemischen Instituts als notwendige Ergänzung des jetzt vom Verein jüdischer Aerzte eingerichteten serologischen Instituts, wie auch als Ergänzung der bestehenden Versuchsstation bereits von anderen Seiten angeregt worden. Es wäre verfrüht, bereits jetzt definitive Vorschläge zu machen. Hat einmal der Kongreß die große prinzipielle Frage entschieden, so wird es Sache seiner ausführenden Organe sein, die Einzelfragen auszuarbeiten. Eine der wichtigsten prinzipiellen Fragen, welche schon jetzt zur Diskussion gestellt werden, ist die Sprache, in welcher der 20*