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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 306

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 306 (sequence 313)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--4225-3480368
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— 306 — werden, im Bewußtsein, den Grundstein zur Schaffung des höchstem jüdisch-kulturellen Zentrums m legen. Der Ruf einer Universität, ihre Leistungsfähigkeit, der Wert ihres Diploms wird vom wissenschaftlichen Werte der Lehrenden bestimmt. Gelingt es uns, in den Dienst der Sache Männer von Ruf zu stellen, so steigt der Rang der Hochschule sofort und unsere Absolventen würden im Konkurrenzkampf sogar in Europa dieselben Chancen haben, wie irgendein jüdischer Absolvent einer europäischen Universität. Daraus ergibt sich auch eine in praktischer Beziehung sehr wichtige Folgerung. Man soll sich bemühen, junge, vielversprechende Kräfte heranzuziehen und das Geld mehr an das Lehrpersonal als an Gebäude und Einrichtung zu wenden. Ferner müssen die Lehrer zugleich auch gute Forscher sein, und der freien Forschung muß gebührender Platz eingeräumt werden. Diese letzten Bemerkungen leiten uns direkt zu den Fragen der praktischen Durchführung unseres Planes hinüber. Man begegnet oft der Meinung, daß die Gründung mit ungeheuren Kosten verbunden ist, und daß die Beschaffung der vielen Fakultäten alle unsere Kräfte in Anspruch nehmen wird. Ich glaube sicher zu gehen, wenn ich die Behauptung aufstelle, daß die meisten bei dieser Argumentierung, welche ja in sich richtig sein mag, den Fehler begehen, daß sie an eine bereits fertige Universität denken, mit allen schon vollkommen eingerichteten Fakultäten, Bibliotheken, Museen, Laboratorien usw. usw. Das würde natürlich unsere Kräfte übersteigen. Wir aber wollen vor allen Dingen eine gesunde Zelle schaffen, die sich aus sich selbst entwickelt und zu einem größeren Organismus auswachsen könnte. Einige Beispiele aus der Geschichte der Universitätsgründungerl sollen zeigen, wie wir uns die Sache vorstellen. Die medizinische Fakultät in Beirut wurde 1883 eröffnet mit vier Professoren und elf Studenten. Sie hatten einen Kredit von der französischen Regierung von Frcs. 150 000 und eine jährliche Subvention von Frcs. 30000. 1885 wurde der Kursus zu einem vierjährigen gemacht; 1894 zählte die medizinische Schule über 100 Studenten. Heute beträgt die Studentenzahl über 400. Im Berichte der Fakultät heißt es wie folgt: „Wir hatten ein altes Gebäude, die Einrichtung war primitiv. Die Bibliothek war in einem embryonalen Zustand. Es war bescheiden. Die Skeptiker und die Feinde waren zahlreich, und man machte sich auf Kosten des neuen Instituts recht lustig. Aber gleichzeitig fanden sich auch junge Leute, die sich sagten, daß jeder Organismus, wenn er einmal groß werden soll, seine Entwicklung von einer Zelle anfangen muß. Ein der Universität gehörendes eigenes Krankenhaus gab es nicht, und das Krankenhaus eines Schwesterordens wurde für Unterrichtszwecke benutzt. 1890 wurde die Fakultät von der ägyptischen Regierung anerkannt. 1898 hat auch die ottomanische Regierung und die französische Regierung die Diplome der Universität anerkannt." Dieses Beispiel genügt, um zu zeigen, wie man mit sehr kleinen Mitteln anfangen kann und ein Institut durch Fleiß und kluge Leitung auf eine bedeutende Höhe bringt.

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