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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 304

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 304 (sequence 311)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--4223-3480366
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— 3(H — Mittel- und Hochschulen. Es würde zu weit führen, die Einzelheiten dieser Maßregeln zu schildern. Es sei nur bemerkt, daß es diese Gründe sind, welche auch nichtzionistische Personen und Organisationen zwingen, der Hochschulnot schleunigst abzuhelfen. Vor ungefähr zehn Jahren begann die Absperrungsbewegung gegen die russisch-jüdischen Studenten an den Hochschulen Mitteleuropas. Die Verschärfungen wruchsen seit jener Zeit mit jedem Jahre, so daß heutzutage der jüdische Student fast überall vor geschlossenen Toren steht. Mit dieser Tatsache ist die Situation der jüdischen Hochschul.aspiranten aus dem Osten auf den kritischen Punkt gekommen. So furchtbar schwer die Wirkungen der Absperrung des jüdischen Studiums schon heute empfunden werden, so treten sie doch zurzeit noch nicht in ihrem vollen Umfange zutage. Denn die katastrophale Verschlimmerung der Situation, die in den allerletzten Jahren eintrat, wird in ihren Folgen erst in den nächsten Jahren vollkommen deutlich werden. Wer aber die Entwicklung der letzten Zeit genau verfolgt hat, der kommt zum Schlüsse: die große Mehrheit des jüdischen Volkes, die für sich schon heute auch nicht annähernd genügend intellektuelle Kräfte aufbringt, wird in Zukunft ein solches Minimum geistig geschulter Elemente produzieren, daß es ganzaußerstandesein wird, die zur Erhaltung der Volksenergie nötige Intelligenz zu repräsentieren. Die unseligen Folgen dieses Zustandes für eine Volksmenge, die in Entrechtung und unbeschreiblicher materieller Not, oft im Dunkel der Unbildung und im Zustande der Trostlosigkeit schmachtet, lassen sich nicht schildern oder gar für die Zukunft ausmalen. Es ist unmöglich, ein Bild der russisch-jüdischen Jugend im Alter von 15 bis 20 Jahren, namentlich der Jugend in der Provinz, zu geben. Außer dem Kleinhandel und dem Handwerk, in denen eine furchtbare Ueberproduktion vorherrscht, sieht die Jugend keinen Beruf vor sich, den sie ergreifen könnte. Die Söhne der sogenannten „Besitzenden" — wofern sie nicht vom Handel verschlungen werden — streben alle danach, das Examen zu machen. Aber es gibt nicht viele, die sich durch die unbeschreibliche Not und Entbehrung und über die staatlichen Hindernisse hinweg durchschlagen. Ohne Aussicht bleiben die meisten verzweifelt am Wege liegen, und es läßt sich nicht absehen, was die Zukunft aus dieser unglücklichen Jugend machen wird. Es ist eine beispiellos tragische Situation, dieser geistige Notstand der Juden, der aus sich heraus immer neue geistige und materielle Notstände erzeugt. Als eine der beklagenswertesten und traurigsten Folgen dieser Not müssen wir die Massentaufen unserer Jugend in Rußland betrachten. Diese Jugend erkauft sich jetzt den Eintritt in die Hochschulen mit dem Verrat der jüdischen Nation und einer öffentlichen Lüge. Die Kinder und Enkel derer, welche unsagbare Qualen ausgestanden, ihres Glaubens und ihrer nationalen Würde wegen, leisten keinen Widerstand mehr gegen den Druck des Golus und werden fahnenflüchtig. Noch vor kurzem ging die Nachricht durch die Zeitungen, daß sich in Kiew allein 80 junge Leute haben taufen

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