Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 309)
- Language
- German, English, Hebrew
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zu sprechen. Wir alle fühlen, welch ungeheuren Wert ein intellektuelles Zentrum hätte, wo Juden lernen, lehren und forschen könnten, in einer günstigen Atmosphäre ungehemmt durch Beschränkungen, in jüdischer Gemeinschaft, frei vom Drucke fremder Kulturen, von dem JBestreben beseelt, neue jüdische Werte zu schaffen, unsere großen Traditionen mit dem Modernen zu verknüpfen. Aus dieser Synthese würde eine wahrhaft jüdische Bildung entstehen, die vor allen Dingen der jüdischen Nation zugute käme. Die Diaspora würde von einem solchen Zentrum in eminenter Weise beeinflußt werden, es würde die Selbstachtung der jüdischen Intellektuellen in hohem Maße steigern. Wenn man bedenkt,, welchen Einfluß schon das jüdische Gymnasium auf den Golus gewinnt, welche Wirkung selbst eine heute noch so schwache und junge Organisation, wie der „Merkas .Hamorim" ausübt, so ist der nationale Wert einer Universität überhaupt nicht abzusehen. Vor allem aber wird die Hochschule eine Hüterin jener Güter der Nation werden, die für ihre Zukunft am teuersten sind: die Hochschule .wird eine Pflegestätte für die lebendige jüdische Nationalsprache, der Vereinigungspunkte alles jüdischen Schaffens auf literarischem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete, mit einem Worte „das kulturelle Zentrum" sein. (Beifall.) Welche Fülle jüdischer Geisteskraft könnte in der jüdischen Hochschule ^ich entfalten, sich ausleben! Bedeutende jüdische Gelehrte, die heute wegen ihrer Abstammung zurückgesetzt werden, denen es nicht möglich wird, sich zu betätigen, die zuweilen die größten materiellen und moralischen Demütigungen erleiden müssen, weil sie sich von ihrem Volke nicht abkehren wollen, fänden eine Stätte, wo sie sich ganz der Wissenschaft, aber auch ganz ihrem Volke widmen könnten. Diese Konzentrierung der jüdischen wissenschaftlichen Arbeit wäre für die Gelehrten selbst und für die allgemeine Wissenschaft ein unschätzbarer Vorteil. Die Idee der nationalen Selbstbefreiung, der heute soviel junge Elemente durch den Mangel der Konzentration und durch den schädigenden Einfluß des fremden Milieus verloren gehen, hätte ihre beste und stärkste Garde in dieser Jugend, die den nationaljüdischen ,Geist in der edelsten Weise betätigen und ins Volk hinaustragen würde. Es würde der neue, aufrechte, schaffende Jude erstehen. Das jüdische Volk aber würde eine große Kraft und neuen Aufschwung aus diesem nationalen Werke schöpifen. Es wäre ihm ein stolzer Beweis seiner lebendigen, schöpferischen Kraft, der ihm Mut und Zutrauen zur höchsten nationalen Leistung geben würde. Für unsere Stellung in Palästina würde die Universität von ganz hervorragender Bedeutung sein. Im Prozesse unserer friedlichen Entwicklung im Lande dürfte die Universität unser bestes Hilfsmittel sein. Sie würde uns neue Kräfte ins Land bringen; sie würde zur Erschließung und Erforschung des Landes beitragen; sie würde unser Ansehen in den Augen der autochthonen Bevölkerung heben. Eine große Bedeutung der Universität liegt auch in der Heranbildung von Lehrern für unsere Schulen in Palästina und in der