Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 308)
- Language
- German, English, Hebrew
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301 - Sie werden aus den Resolutionen, welche wir. Ihnen heute zu unterbreiten die Ehre haben, ersehen, daß wir es noch nicht für angebracht halten, schon jetzt mit einer fertigen Vorlage an den Kongreß heranzutreten. Wir halten es aber für erwünscht, daß der Kongreß prinzipiell zu der Idee der Schaffung einer Universität Stellung nimmt und daß von autoritativer Stelle aus die Grundlinien der dazu nötigen Vorbereitungsarbeit festgelegt werden, und somit dem Märzbeschluß des Actions-Comites die Sanktion erteilt wird. Schon Prof. Hermann Schapira hat sich bekanntlich lebhaft für die Gründung einer Universität ausgesprochen. Der Tod hat ihn aber ereilt, noch ehe er imstande war, seinem Gedanken die weitere Formulierung zu geben. Im Jahre 1901 wurde dem V. Zionistenkongreß der Antrag unterbreitet, „der Kongreß möge das Actions-Comite beauftragen, die Frage der Gründung einer jüdischen Hochschule einem gründlichen Studium zu unterziehen". Dieser Antrag wurde auch zum Beschluß erhoben. Theodor H e r z 1 brachte dem Projekt ein sehr warmes Interesse entgegen und unternahm einleitende Schritte, um von der türkischen Regierung eine Konzession zu bekommen. In den Jahren 1902 bis 1904 suchten wir, eine kleine Gruppe von jungen Zionisten, eine größere Agitation für die Idee zu entfalten und ein Spezialprofekt zu entwerfen. Herzl verfolgte diese Arbeiten mit Wohlwollen. Am 20. Juli 1902 schreibt er u. a.: „Die Universitätsangelegenheit hat mein andauerndes und unvermindertes Interesse. Lassen Sie mich dies nicht noch einmal wiederholen. Ich möchte es unserer nächsten Zusammenkunft vorbehalten, Ihnen mündlich zu sagen, wie ich mir die Sache vorstelle/* Aber trotz gewisser Sympathien im jüdischen Publikum war die Zeit vielleicht noch nicht reif, und das Interesse für Palästinafragen und speziell für kulturelle Fragen noch nicht tief genug, um eine erfolgreiche Tätigkeit zu ermöglichen. Es kommt noch hinzu, daß die jüdische öffentliche Meinung zu jener Zeit durch den Kischinewer Pogrom und die darauffolgende Pogromperiode zu tief aufgewühlt und auf ganz andere Bahnen geleitet wurde. Auch im zionistischen Lager selbst entstand durch die Uganda-Frage ein tiefer Riß, auf den eine langjährige Krise folgte, welche die Energie und Aufmerksamkeit der Zionisten völlig in Anspruch nahm. Im iFebruar 1908 veröffentlichte der Cambridger Professor Israel Abrahams einen kurzen Artikel im „Jewish Chronicie" über die Notwendigkeit einer jüdischen Hochschule. In den letzten zwei Jahren hat die Idee der Gründung einer medizinischen Hochschule einen gewissen Anklang gefunden. Soviel zur geschichtlichen Uebersicht. Um nun auf die Saöhe selbst überzugehen, möchte ich die Betrachtung der Frage in zwei Hauptabschnitte einteilen: 1. Wir wollen zunächst die Notwendigkeit einer Hochschule erörtern und dann 2. die Frage der Durchführbarkeit besprechen. Es erübrigt sich, vor einem Zionistenkongreß lange über die nationale Notwendigkeit und Bedeutung einer jüdischen Universität