Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 307)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 300 — sichtlich der hebräischen Sprachkenntnisse, sei es hinsichtlich der nötigen speziellen Fortbildung in dem in Aussicht genommenen Fach. 14. Das Ergebnis ihrer Arbeit unterbreitet die Kommission der nächsten Sitzung des Zentralausschusses, der vom Kongreß bevollmächtigt wird, über die Fortsetzung der Arbeit nach dieser Richtung zu beschließen. Verehrter Kongreß! Das gegenwärtige Jahr ist ein Jubiläumsjahr für unser Volk, wie es kein anderes Volk je erlebt hat. An dem verhängnisvollen Tage, am 9. Ab dieses Jahres, werden es 2500 Jahre sein, seitdem der Feind den ersten Tempel zerstört und unser Volk in die Verbannung getrieben. 2500 Jahre sind es nun, seitdem wir von Land zu Land und von Zunge zu Zunge wandern. Wir standen an den Gräbern der Chaldäer, der Perser, der Griechen, der Römer und vieler anderer Völker, vor denen einst die Welt zitterte. Wir aber, ein kleines Häuflein, sind am Leben geblieben, und heute, 2500 Jahre nachdem wir in die Verbannung gingen, stehen wir da, die Vertreter des Volkes, und beraten über die Wege unserer nationalen Wiedergeburt. Vor 2500 Jahren ist unser nationales Heiligtum, der Tempel Gottes auf dem Berge Moriah, zerstört worden, und heute stehen wir da, von dem kühnen Plan beseelt, auf dem Berge Zion einen Tempel der Kultur und der Wissenschaft zu errichten. Dieser Plan ist die Rehabilitation unseres neuerwachten Volkes. Und er wird in Erfüllung gehen. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Gaster: Das Wort hat Herr Dr. Weizmann zu seinem Referat über die hebräische Universität in Jerusalem. Referent Dr. Weizmann: Auf der Sitzung des Großen Actions- Comites im März wurde nach eingehender Diskussion der Beschluß gefaßt, die Frage der Schaffung einer Universität in Jerusalem zu erwägen, die Notwendigkeit sowie die Möglichkeit der Durchführung eines solchen Unternehmens gründlich zu studieren. Mit dieser Aufgabe wurde eine kleine Kommission betraut, die im Einvernehmen mit dem E. A. C. die nötigen Vorarbeiten leisten und dem Kongreß einen Bericht über den Stand dieser Arbeiten sowie über das Projekt selbst unterbreiten sollte. Ich will vor allem betonen, daß die Kommission wie auch das E. A. C. weder direkt noch indirekt zu den verschiedenen Zeitungsartikeln und Nachrichten in der Presse bezüglich der Universität in irgendeiner Weise in Beziehung zu setzen ist. Wir waren uns der großen Schwierigkeiten, die der Realisierung einer solch gigantischen Aufgabe entgegenstehen, vollkommen bewußt und vermieden es deshalb, diese Frage in der Oeffentlichkeit zu diskutieren. Die verschiedenen Kundgebungen zugunsten des Projekts geschahen ohne unser Zutun, und das große Interesse, das die jüdische Presse sowie weite Schichten der jüdischen Gesellschaft und ganz besonders unsere studierende Jugend der Universitätsidee entgegenbrachten, kann als ermunterndes Zeichen der Zeit, als Beweis für die Aktualität des Projektes angeführt werden.