Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 302)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4214-3480357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 295 — Nun ist es klar, daß unsere wichtigste Kulturaufgabe auf dem Gebiete der Sprache liegt. Wollen wir ein politisch organisiertes Volk sein und als solches gelten, so muß das gesamte Volk, ob Mann oder Weib, ob alt oder jung, mit der Sprache unserer Vergangenheit und Zukunft unlöslich verbunden sein. Dies ist nicht nur eine Kulturfrage, sondern auch eine eminent politische Frage. Denn die Sprache ist entscheidend für den nationalen Einfluß. Wenn Sie jiach einem Lande kommen und wissen wollen, welches Volk hier Herr ist, so brauchen Sie sich nur die Schilder auf der Straße anzusehen, oder die Umgangssprache der Leute auf dem Markte anzuhören. Die auf der Straße herrschende Sprache ist die Grundlage nationaler Vorherrschaft. Die hebräischen Schilder in Jaffa und Jerusalem repräsentieren vielleicht einen größeren nationalen Wert, als die formvollendetsten Gedichte, die von einer kleinen Anzahl von Menschen gelesen werden. Von diesem Standpunkte ausgehend, müssen wir all unsere Kraft darein setzen, unsere nationale Sprache auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in Palästina zur Herrschaft zu bringen. Nach dieser Richtung könnte der Einfluß der organisierten öffentlichen Meinung und unsere prinzipielle Stellungnahme von entscheidender Bedeutung sein. Unsere Organisation müßte daher auf unsere Institutionen in Palästina, desgleichen auf die uns nahestehenden Kreise und Einrichtungen nach dieser Richtung Einfluß nehmen. Aus diesem Grunde schlage ich Ihnen folgende Resolution vor: 2. Der Kongreß verpflichtet die ihm unterstehenden oder seinem Einflüsse zugänglichen Institutionen und Anstalten, ihr Möglichstes zu tun, damit die hebräische Sprache auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in Palästina vorherrschend wird. Haben wir hier ein wichtiges Gebiet nationaler Erziehungsarbeit zu verzeichnen, so müssen wir um so größere Aufmerksamkeit dem Schulwesen zuwenden. Ich will hier nicht von den einzelnen Lehranstalten in Palästina sprechen. Ich möchte nur betonen, daß wir in Palästina Schulen und Lehranstalten verschiedener Arten und Stufen haben, von denen jede uns in politischer Beziehung, je nach Stellung zu unserer nationalen Sprache, ebenso sehr schaden wie nützen kann. Die orthodoxe Schule „Chadar-Thora" in Jerusalem und das freisinnige hebräische Gymnasium in Jaffa, wo sämtliche Unterrichtsfächer in hebräischer Sprache gelehrt werden, sind alle beide positive Machtfaktoren, während die Jargon-Talmud-Thoras, die Allianceschulen oder auch das Technikum, wenn es wahr sein sollte, daß die Unterrichtssprache desselben die deutsche sein soll, in gleicher Weise als negative Faktoren anzusehen wären. Hieraus ergibt sich die folgende Resolution: 3. Der Kongreß ist der Ansicht, daß von den palästinensischen Schulen verschiedenen Ranges, von den niederen bis zu den Hochschulen, nur diejenigen der materiellen und moralischen Stützung würdig sind, in denen die hebräische Sprache zur vollen Herrschaft