Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 301)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 294 — dieses Wort umwenden und sagen: Was wir wollen, ist ein „Neualtland", d. h. neue, lebendige Zukunft auf dem Gebiete des alten Judentums, der alten Sprache und der alten Kultur. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Ussischkin zu seinem Referate. Berichterstatter Ussischkin (mit lebhaftem Beifall empfangen— hebräisch). Drei Dinge sind es, die die Grundlage jeder nationalen Gemeinschaft bilden: der Boden, die produktive Arbeit und die Kultur. Ein Volk, das im Besitze dieser drei Dinge ist, das seinen eigenen Boden hat, diesen selbst bebaut und seiner eigenen Kultur lebt, ist ein gesundes normales Volk. Ein Volk, dem diese drei nationalen Güter abhanden gekommen sind, hat zu existieren aufgehört. Ein Volk, das das eine oder das andere dieser Güter ganz oder zum Teil eingebüßt hat, ist ein krankes Volk und bedarf der Heilung. Unser Volk ist ein solches krankes Volk. Unseren Boden, unser Land besitzen wir nur in der geschichtlichen Erinnerung und in der Hoffnung auf die Zukunft, nicht aber in der Gegenwart. Unsere produktive Arbeit ist auf wenige Gebiete beschränkt, während der wichtigste Zweig dieser Arbeit, der Ackerbau, uns nicht mehr blüht. Unsere Kultur ist eine Rumpfkultur. Unsere nationale Sprache ist bloß die Sprache der Vergangenheit und des Buches, nicht aber die lebendige Volkssprache. Neben eigener Religion und Sitte ist es die Sitte verschiedener Völker und verschiedener Kuturperiolden, die wir uns angeeignet haben und die wichtige Bestandteile unseres Kulturlebens ausmacht. Nun kam der Zionismus und wollte die Krankheit des Volkes heilen. Er stellte sich zur Aufgabe, dem Volke das Land wiederzugeben, es zu produktiver Arbeit und zur eigenen Kultur zurückzuführen, damit es wiederum ein gesundes, normales Volksleben führe wie damals. So hatte sich der Zionismus auf all diesen Gebieten Aufgaben gestellt. Er wollte das Volk auf all diesen Gebieten aufrichten, in der Erkenntnis, daß all diese Dinge — Land, Arbeit und Sprache — unumgängliche Voraussetzungen der Gesundung des Volkes sind. Bezüglich der Wichtigkeit aller dieser Aufgaben konnte, was die Palästina-Arbeit anbetrifft, gar kein Zweifel aufkommen. In dem Moment, wo wir einen weiteren Dunam Land erwerben, setzt auch die entsprechende Kulturarbeit ein. Deshalb geht auch in Palästina die kolonisatorische und kulturelle Arbeit Hand in Hand. Und es gibt hier kein „Zunächst" und „Sodann." Aus diesem Grunde waren die Freunde und Anhänger der Kolonisationsarbeit immer auch Freunde und Anhänger der Kulturarbeit. Und nun glaube ich, daß es Zeit ist, daß der Kongreß diese Gesichtspunkte klar und deutlich zum Alusdruck bringt. Ich schlage Ihnen deshalb folgende Resolution vor: i. Der elfte Zionistenkongreß erblickt in der palästinensischen Kulturarbeit einen wichtigen Bestandteil der allgemeinen Arbeit für die nationale und politische Konsolidierung des jüdischen Volkes im Lande.