Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 299)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 292 — Wissenschaft zu sorgen, für unsere hebräische Universität! (Lebhafter Beifall.) Die Frage der Realisierung dieses Gedankens ist aus Mangel materieller, wie auch wissenschaftlicher Kräfte vorläufig ein wenig schwierig und verwickelt. Darüber wird mein geehrter Freund, Herr Professor W e i z m a n n, ein spezielles Referat halten. Wir bemerken bloß, daß die Leitung des „Kedem" als offizielles zionistisches Amt, bestrebt sein wird, alle diesbezüglichen Beschlüsse seitens des Kongresses pünktlich auszuführen. Geehrte Gesinnungsgenossen! Aus meinen bisherigen Ausführungen haben Sie sich bereits überzeugen können, daß vor uns ein großes Arbeitsfeld liegt, und daß auch der palästinensische Boden dafür überaus günstig ist. Wir hoffen nämlich, dort treue Mitarbeiter für unsere gute Sache zu finden in unseren dortigen Parteimännern, Literaten und Gelehrten. Das wird für die gute Sache den eigentlichen Resonanzboden bilden. Und von den besten Hoffnungen beseelt, beehre ich mich, hiermit dem geehrten Kongreß folgende Resolution zur Annahme vorzulegen: „Der XI. Zionistenkongreß in Wien nimmt die Gründung des jüdischen Kulturfonds „Kedem" mit Befriedigung zur Kenntnis und erklärt es als eine Pflicht eines jeden Zionisten, diese wichtige Institution materiell und moralisch zu unterstütze n." Brüder! Gedenket unserer alten Sprache und nehmet meine Resolution einstimmig an. (Lebhafter und langandauernder Beifall.) Vizepräsident Dr. Gaster: Das Wort hat Herr Dr. Nacht. Del. Dr. Nacht (spricht hebräisch). Er drückt sein Bedauern darüber aus, daß entgegen dem Kongreßbeschluß dieser Kongreß nicht hebräisch eröffnet wurde. Del. Dr. Niemirower (mit lautem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich teile nicht den Standpunkt des geehrten Herrn Vorredners und werde gerade deutsch sprechen, weil alle hebräisch sprachen; denn es ist unbedingt nötig, daß wir im Dienste dieser Sache auch für diejenigen, die nicht hebräisch verstehen, deutsch sprechen. (Zustimmung.) Sogar Herr Ussischkin Tiat mich direkt ersucht, daß ich deutsch sprechen soll. (Rufe: Hebräisch!) Vizepräsident Dr. Gaster: Der Kongreß ist keine Schule, wo man hebräisch lernt. Herr Niemirower hat das Recht, so zu sprechen, wie jeder andere, und ich bitte, ihm ruhig zuzuhören. Del. Dr. Niemirower (hebräisch): Meine Damen und Herren! Wenn Sie nur das Prinzip wahren wollten, daß man nur einige Worte hebräisch sprechen soll, könnten Sie ja mit dem schon genug haben. (Heiterkeit.) (Deutsch fortfahrend): Geehrter Kongreß! Die kulturelle Tätigkeit des Zionismus gehört zu den bedeutendsten Manifestationen desselben. Wenn wir auf ökonomischem Gebiete der Privatinitiative einen freien Spielraum gewähren können, so ist es bezüglich des kulturellen weniger der Fall. Gewiß gibt es und soll es auch in bezug auf das geistige Gebiet eine Privatinitiative geben. Unsere großen Denker und Schöpfer, die nicht die ausgetretenen Bahnen der Gedankenzwerge gehen wollen, ergreifen die Initiative und eröffnen sich selbst einen Weg. Ge-