Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 297)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 290 — zionistischen Organisation abhängig sein und unter Kontrolle und Einfluß des zionistischen Kongresses bleiben. Die Aufgabe jedoch des „Kedem" und seine demokratische Arbeitsweise brachten seine Gründer zu der Ueberzeugung, daß man die Leitung nicht auf das Große Actions-Comite beschränken darf, dessen Mitgliederzahl gering ist; man müßte vielmehr noch andere, änderen zionistischen Institutionen angehörige intellektuelle Kräfte dem „Kedem" zuführen, ebenso auch solche sozialen Kräfte, die für die Entwicklung des „Kedem" entweder viel geleistet haben oder viel leisten können. Es werden darum nach § 4 L. B. auch die Direktoren des Jüdischen Nationalfonds und der Präses des Odessaer „Unterstützungsvereins für jüdische Ackerbauern in Syrien und Palästina" den Mitgliedern des ,5Kedem" zugerechnet. Der § 8 des Statuts erlaubt der Generalversammlung, von Zeit zu Zeit neue Mitglieder aufzunehmen, die auf dem Gebiete der jüdischen Kultur oder Wissenschaft sich ausgezeichnet haben oder sich durch ansehnliche Legate oder durch hervorragende Arbeiten zugunsten der Realisierung des jüdischen Regenerationsgedankens hervorgetan haben. Solche Mitglieder können jedoch nur mit Zweidrittelmajorität der in dei Generalversammlung anwesenden Mitglieder aufgenommen werden. In der Frage des Aufsichtsrates waren die Gründer sehr streng, denn außer dem von den Gesellschaftsmitgliedern gewählten Aufsichtsrat muß die Generalversammlung nach § 61 jährlich mindestens einen von Staats wegen eingesetzten und beeideten Kontrollkommissär (Chartered Accountant) wählen, der die Arbeiten der Gesellschaft von der finanziellen Seite nach Kassastand und jährlicher Bilanzausgleichung zu untersuchen hat. Es erhellt also, daß der „Kedem" abgesehen von einigen unwesentlichen Abweichungen in bezug auf die Leitung und das Direktorium, im Aufbau ganz seinem älteren Bruder, dem jüdischen Nationalfonds, gleicht und nur im Ziel und im Arbeitsplan von ihm verschieden ist. Die beiden Institutionen arbeiten parallel, der eine will das Land, der andere den Geist erobern. Der eine will das Lanc für das Volk, der andere will das Volk für das Land vorbereiten. Der Nationalfonds ist der Hartteil im Kern der nationalen Wiederbelebung, der „Kedem" ist die lebenbringende Feuchtigkeit des Kernes. Die beiden Institutionen ergänzen einander und wollen beide eine historische Schöpfung bewerkstelligen: Die Renaissance der Nation in ihrem eigenen Lande. (Lebhafter Beifall.) Der Nationalfonds erwirbt in Palästina Besitzungen zu Kolonisationszwecken; der „Kedem" dagegen wird sich bestreben^ Agrarschulen zu gründen, um die Dorfwirtschaft theoretisch und praktisch zu lehren. Der Nationalfonds baut den Jemeniten Wohnhäuser, der „Kedem" aber wird für sie Lesehallen errichten, Abendkurse gründen, um ihnen die Kenntnis der hebräischen Sprache, der Volkshygiene und anderer nützlicher Wissenschaften beizubringen, für ihre Kinder wiederum wird er Handwerksschulen und Kindergärten eröffnen, wird ihnen die hebräische Sprache mundrecht machen und sie schöne Zionslieder lehren. Der Nationair-