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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 288

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 288 (sequence 295)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--4207-3480350
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— 288 — verbunden werden, ist es ihnen unmöglich, in ihrer sich lebendig" entwickelnden Umgebung einen wichtigen Platz einzunehmen und ein wichtiger politischer und ökonomischer Faktor zu werden. Die Seele des Volkes ist die Sprache, in der die ganze geistige Kraft der Nation aufgespeichert liegt. Unser anormaler Zustand ist vielleicht weniger dem Mangel eines eigenen Bodens, als dem Umstand zuzuschreiben, daß wir unsere Sprache verloren haben und unserer nationalen Kultur entfremdet wurden. Durch einen beschämenden Verrat an der nationalen Sprache und das Sich- Anschmiegen an fremde Sprachen wurde unser nationales Band zerrissen, wurden unsere nationalen Kräfte zersplittert. Es ist eine Tatsache, daß die eigentliche Assimilation unserer Jugend ausschließlich in der unjüdischen, ja jn der unhebräischen Erziehung ihren Grund hat. Die Tatsache, daß nicht bloß in der Diaspora, sondern auch in Palästina die Juden sprachlich zersplittert sind, ist die größte Tragik in der Geschichte unseres unglücklichen Volkes, Die Juden, welche nach Palästina kamen, bringen den Golusschmutz mit, ohne zu überlegen, daß durch die Sprachenzersplitterung die Erlösung der Kultur in eine weite Ferne gerückt wird. Statt einer einzigen, zentralisierten Nationalkraft haben wir dort Splitter, unzusammenhängend, ja sich gegenseitig bekämpfend. Diese traurige Erscheinung finden wir auch bei den verschiedenen palästinensischen Schulen: eine babylonische Sprachenverwirrung — die Kinder, die Zöglinge verstehen einander nicht. So können z. B. die Zöglinge der französischen Alliance- Schulen ihre Kollegen, die Zöglinge der deutschen Schulen des „Hilfsvereins", nicht verstehen, während diese beiden wiederum von ihren Kollegen aus der Schule der englischen Juden nicht verstanden werden. In letzter Zeit droht uns dort ein neues Uebel: Manche unserer Wohltäter wollen im Technikum zu Haifa als Unterrichtssprache die deutsche einführen. Und schwer, sehr schwer wird dadurch der nationale, zur Renaissance 3trebende jüdische Geist verletzt werden! So steht es mit unserer Vielsprachigkeit und unserer Gleichgültigkeit der nationalen Sprache gegenüber, die größtenteils bei unseren Alten sich eingenistet hat, die für das Erwachen im Osten keine Augen haben. Nichtsdestoweniger sehen wir, daß mit dem Anwachsen der jüdischen Kolonisation in Palästina auch die hebräische Sprache aufblüht. Wir kamen;alle zur Ueberzeugung, daß nationale Renaissance ohne Sprachenrenaissance nicht denkbar ist. Wir müssen mindestens im Lande unserer Väter durch unsere alte Kultur und Sprache zu einem einzigen einheitlichen, allgemein kulturellen Faktor verbunden werden, wenn wir dort als realpolitischer Machtfaktor gelten wollen. Durch unsere nationale und kulturelle Einheit wird unser Ansehen bei den Gastvölkern steigen und eine beschämende Assimilation von uns ferngehalten werden. Ja, noch eines! Wenn wir uns in Palästina von den fremden Sprachen frei machen und die hebräische souverän machen, dann werden wir auch ein anderes Uebel beheben: den Verdacht der im Orient mit ihren Kulturen rivalisierenden Völker. In einem seiner

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