Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 291)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4203-3480346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 284 — diesem Boden eine Orangerie anlegen würden. Es handelte sich um 3000 Dunam. Dazu ist der Boden zu groß. Aber die Herren dachten, auf 100 oder «200 Dunam Orangen zu pflanzen, und haben Professor Warburg und Dr. Thon in Berlin gefragt, ob man dort auch Orangen pflanzen kann. Herr Professor War bürg ist hier und hat mir gesagt, daß er seine Meinung dahin geäußert habe, man werde auch Orangen dort pflanzen können, denn er wußte, daß dort in der Nähe Orangenpflanzungen sich befinden und glaubte, daß man auch in Merchawja dies versuchen könne. Ich habe mich in einem Briefe auch dahin ausgedrückt, gestützt auf ein Gutachten eines bekannten Orangenpflanzers, wahrscheinlich sei der Boden für Orangen geeignet. Nach der Ansicht des Herrn Tolk o w s k y ist der Boden nicht für Orangen geeignet, er fand auch, daß die Bewirtschaftung schwierig sei und die Folge war, daß wir den Vertrag aufgelöst haben. Damit ist die Sache erledigt. Ich verstehe nicht, welcher Vorwurf uns gemacht wird. Soll es etwa heißen, daß die P. L. D.C. bewußt unrichtige Angaben gemacht hat, um Käufer anzulocken? Das wird auch Herr Tolkowsky selbst nicht behaupten wollen. Ich meine, daß er aus dieser Sache erheblich mehr macht, als ihr zukommt. Es hat eigentlich für den Kongreß und für die P. L. D. C. kaum eine Bedeutung. Herr Tolkowsky hat auch gesagt, daß das Herzl-Haus in Chulda in stark verwahrlostem Zustande sei. Das Herzl-Haus hat seinen Namen nicht von uns. Ich weiß bis heute nicht, wie das Haus zu diesem Namen gekommen ist. Wir haben ganz einfach dort für den Verwalter und die Arbeiter ein Haus gebaut. Dort kann es nicht aussehen, wie in einem Museum oder in Prachtsälen. Nun ist es wahr, daß der Vorarbeiter, der dort war, für die Instandhaltung des Hauses manches versäumt hat. Wir haben dort Remedur geschaffen. Aber das ist auch keine Frage von welterschütternder Bedeutung, wenn das Haus einmal nicht so gut getüncht ist, oder wenn ein Fensterladen schief hängt. Mir ist es gewiß peinlich, und ich bin in solchen Fällen sehr empfindlich (Heiterkeit), aber das besagt nichts für die Oelbaumpflanzung und für die Dinge, die wir dort gemacht haben. (Lebhafter Beifall.) Man soll solche Fragen nicht zu sehr aufbauschen- Herr Tolkowsky hat dann gesagt, daß wir die Oelbäume anders pfropfen, als nach der landesüblichen Methode. Ich will Sie nicht mit technischen Details aufhalten, ich glaube nicht, daß der Kongreß dafür großes Interesse hat. Die Sache liegt so: Wir pfropfen die Oelbäume in zweierlei Weise, weil wir gefunden haben, daß für einzelne Teile des Bodens die Araber, für einzelne die Juden eine bessere Methode haben. In einem ^Punkte hat Herr Tolkowsky recht. Ich wünschte auch, wir hätten einen Fachmann für Kolonisationsfragen in Palästina. Wir suchen ihn in der ganzen Welt, und wenn man uns einen empfehlen würde, würden wir dafür aufrichtigsten Dank wissen. Ich werde dem Manne das größte Gehalt zahlen, das nur möglich ist. Leider sind unter den Juden solche Kolonisatoren sehr dünn gesät, und ich habe bisher niemanden gefunden. Herr Tolkowsky hat auch gesagt, er habe vorausgesehen, daß die Milchwirtschaft in Ben Schemen nicht gedeihen würde. Ich weiß nicht, wie er das voraussah. Wir haben die Kühe unter Aufsicht der Tierärzte gekauft und in unsere Farm gebracht und haben alle erdenklichen Vorsichtsmaßregeln angewendet. Daß trotzdem die Epidemie ausgebrochen ist, war nach menschlicher Voraussicht nicht zu vermeiden. Uebrigens ist die Sache auch nicht so gefährlich, wie sie dargestellt wird. Gewiß ist ein Verlust da, aber wir haben schon Aussicht, aus den Erträgnissen des ersten Jahres diesen Verlust zum allergrößten Teile wieder zu decken. In jedem Falle gebührt der Farm das große Ver-