Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 290)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 28a — sind. Wir haben ein städtisches Proletariat, das erst zur Landwirtschaft erzogen werden muß. Wir haben nicht die Machtmittel eines Staates hinter uns, um Versuche zu machen. Wir müssen es mit schwachen Kräften unternehmen, und da glaube ich, was wir in den wenigen Jahren in Palästina erzielt haben, ist erfreulich und kann in uns frohe Hoffnungen für die Zukunft erwecken. (Lebhafter Beifall.) Verehrter Kongreß! Das Direktorium des Nationalfonds und ich, der ich die Ehre habe, sejrt 6 Jahren an seiner Spitze zu stehen, wir haben alle Meinungen gehört, wie man am besten die Kolonisation in Palästina entwickeln könnte. Wir haben überall Informationen eingeholt und haben die Kosten nicht gescheut, nachdem Herr Kann Kritik an der Oelbaumspende geübt hat, viele Tausende daran zu wenden, um ein zuverlässiges Gutachten in dieser Frage zu erlangen. Wir haben zweimal Sachverständige dorthin geschickt, um uns über diese Fragen zu informieren. Herr Kann kann uns nicht den Vorwurf machen, daß wir in dieser Beziehung irgend etwas vernachlässigt hätten. Wir haben auch nach der andern Richtung alle Fragen geprüft. Wir haben uns den Weg gewählt, der die Mitte bildet zwischen rechts und links, nicht weil es der Mittelweg ist, sondern weil wir ihn als den richtigen Weg erkannt haben, weil wir gesehen haben, daß das der einzige Weg ist, um Vorbedingungen zu schaffen für eine Groß-Kolonisation in Palästina, wenn das jüdische Volk durch den Zionismus die Mittel erlangt hat, um eine solche Kolonisation irn großen Stile durchzusetzen. Sie haben uns bisher Ihr Vertrauen geschenkt. Dieses Vertrauen zeigt sich in den wachsenden Spenden des Jüdischen Nationalfonds. Entziehen Sie uns dieses Vertrauen nicht! Wir verlangen dieses Vertrauen vom Kongreß, und ich glaube, daß wir nach unserer bisherigen Arbeit das Recht haben, dieses .Vertrauen vom Kongreß zu fordern. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Ehrlich: Das Wort hat Herr Dr. R u p p i n. Referent Dr. Ruppin (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Verehrter Kongreß! Ich werde Sie nur einige Minuten in Anspruch nehmen, um ein paar Sachen aufzuklären. Herr Kann ist auf die Frage der Hypothek zurückgekommen, die das Palästina-Amt eigenmächtig gegeben hat. Es ist hier ganz offenbar ein Mißverständnis unterlaufen. Herr Kann hat einen Brief verlesen, und ich habe hier heute bereits erklärt, daß später nach diesem Brief in Köln die Sache aufgeklärt worden ist. Ich habe hier das Protokoll aus Köln vom 24. November 1912: Anwesend waren die Herren Wolffsohn und Dr. Bodenheimer. Da heißt es (liest): „Aus der Korrespondenz mit dem Palästina-Amte haben wir nunmehr festgestellt, daß das Palästina-Amt sich in der Tat für bevollmächtigt halten durfte, im Auftrage des Jüdischen Nationalfonds die Hypothek eintragen zu lassen, weil ihm auf Grund eines am 15. August zugesendeten Berichtes des Hauptbureaus in Köln an die Nationalfonds-Direktoren bekannt geworden ist, daß das Hauptbureau hiermit einverstanden war." Ich glaube, die Sache ist hiermit erledigt. Für verschiedene andere Sachen ist bereits seitens meines Herrn Vorredners eine Richtigstellung erfolgt. Ich möchte nur ein paar Worte zu den Angriffen des Herrn Tolkowsky bemerken. Herr Tolkowsky hat sich darüber beschwert, daß ihm die P. L. D. C. Boden in Merchawja verkauft hat und auf die Frage, ob dieser Boden für Orangenbau geeignet ist, bejahend geantwortet hat. Die Sache liegt so, daß tatsächlich vor zwei Jahren Herr Tolkowsky mit einigen Herren in Berlin war und dort mit Herrn Professor Warburg und Herrn Dr. Thon gesprochen hat. Selbstverständlich war nicht die Rede davon, daß die Herren auf