Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 289)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 282 — plansky hat anscheinend auch keine Zeit gefunden, nachdem er nicht hier war, wenigstens mein Referat durchzulesen. (Rufe: Er hat es gelesen.) Dann hat er es schlecht gelesen, dann hat er Seite 4 nicht gelesen und was dort steht, denn dort sage ich klar und deutlich: „Für den Nationalfonds, der dem ganzen jüdischen Volke, zu dienen berufen ist, darf Palästina nur Neuland sein, wo wir die bewährtesten Grundsätze landwirtschaftlicher Siedelung einführen wollen. Diese mögen sich dann in freiem Wettbewerb mit den bestehenden landwirtschaftlichen Unternehmungen messen." Und dann sage ich — ich zitiere mich selbst sehr ungern — „Es bedarf daher keiner besonderen Versicherung, daß ich den größten Wert auf die Förderung des landwirtschaftlichen Arbeiterelementes und seiner Lebensbedingungen in Palästina lege. Ich möchte sogar so weit gehen, zu sagen, daß mir das Interesse dieses Arbeiterelementes untrennbar mit der zukünftigen Entwickelung des jüdischen Nationalfonds verbunden erscheint/*' (Del. Dr. Rosenfeld: Aber die Praxis, Herr Doktor!) Erlauben Sie, darauf komme ich. Sie haben gehört: deutlicher und klarer kann man sich nicht auf diesen prinzipiellen Boden stellen, und nun sagt Dr. Rosenfeld: die Praxis! Mein lieber Kollege, meine Damen und Herren: die Praxis! Wir haben fünf Genossenschaften in Palästina: die Siedelungsgenossenschaft, die Genossenschaft in Dagania, 2 Genossenschaften in Hulda und Benschemen und eine neu gegründete Pflanzungsgenossenschaft in Gan Schmuel. Ich habe erklärt, daß wir diesen Genossenschaften im Rahmen des Budgets ifreieste Entwicklung gewährleisten. Wir sind, wie gesagt wird, dadurch, daß wir soviel unternommen haben, fast an die Grenze der zulässigen Ausgaben gegangen. Und wir tun Ihnen noch nicht genug? Wir haben diesen Weg beschritten, und es ist selbstverständlich, daß wir ihn weiter gehen werden, Herr Dr. Rosenfeld, wenn uns der Kongreß nicht zwingt, von diesem Wege abzugehen. Wir sind prinzipiell dafür, daß wir jetzt in erster Linie durch unseren Bodenbesitz die Vorbedingungen für die Entstehung eines landwirtschaftlichen Arbeiterelements schaffen müssen. Nun will ich auch begründen, weshalb der Nationalfonds dieses ungeheuere Interesse daran hat. Als wir die Arbeiten des Nationalfonds übernahmen, waren bereits in Voraussicht kommender Dinge Grundstücke erworben worden. Wir waren, weil sich keine jüdischen Pächter fanden, genötigt, damit das Land nicht wieder in arabischen Besitz komme, den Boden durch Araber bewirtschaften zu lassen. Das war ein unmöglicher Zustand, und wenn es nicht gelang, ein Arbeiterelement zu schaffen, dann waren wir nicht einmal in der Lage, unseren Besitz in Palästina festzuhalten, geschweige denn zu entwickeln. Wenn wir künftig große Strecken Landes in Palästina der Kultur erschließen wollen, wenn wir, was ich als eine Aufgabe des Nationalfonds betrachte, einen großen Domänenbesitz schaffen wollen, auf dem der jüdische Arbeiter sein Brot findet und der zugleich eine Schule des landwirtschaftlichen Pächterelementes für ganz Palästina bilden kann, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als gewisse Opfer zu bringen, um das landwirtschaftliche Arbeiterelement auf das energischste zu fördern, damit es den Wettbewerb mit jedem Arbeiter der Welt aushalten kann. Und nun zur allgemeinen Kritik ein Wort. Vergessen Sie doch nicht, wenn man an der Tätigkeit des Nationalfonds Kritik übt: Das jüdische Volk ist durch seine traurige Geschichte so arm1 geworden, so arm an brauchbarem Menschenmaterial für die Kolonisation eines fernen Landes. Wenn ein anderes Volk Kolonisation unternimimt, dann hat es die Machtmittel großer Staaten und ein ungeheures Reservoir bäuerlicher Lohnarbeiter hinter sich, die zur Auswanderung gezwungen