Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 286)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 279 - Referent Dr. Bodenheimer (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich werde mit einer kleinen Mitteilung beginnen. Wir haben bekanntlich einen Wettbewerb für die letzte und erste Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds veröffentlicht. Ich möchte Ihnen über das Resultat dieses Wettbewerbes berichten. Wir haben heute morgen die Auslosung unter 29 Bewerbern in Anwesenheit verschiedener Zeugen, die Ihnen ganz gewiß einwandfrei erscheinen werden, wenn Sie das Protokoll gedruckt vor sich sehen werden, vorgenommen. Das Los hat unser lieber und ältester Gönner gezogen, der Spender dei 100 000-Kronen-Spende, Herr Baruch Kahane. (Lebhafter Beifall.) Das Los, welches die letzte Eintragung des ersten Buches trifft, trägt die Nummer 22, die in der „Welt" veröffentlicht worden ist, und zwar auf den Namen Ester bath Abraham Kratzer und Jeruchom ben Jitzchok Kaplan, Bobruisk. Ferner wurde das Los gezogen, welches das Recht auf die erste Eintragung in das neue Goldene Buch gewährt. Dieses Los fiel auf die Nummer 11 und zwar auf den Namen Juda Bornstein aus Debica. Das Gesamtergebnis der Ziehung beläuft sich auf 6000 M. (Beifall.) Meine Damen und Herren, verehrter Kongreß! Es ist Kritik an der Art geübt worden, in der wir die Placierung der letzten und der ersten Eintragung vorgenommen haben. Sie ersehen aus dem Resultate, daß für den Nationalfonds ein gewisser Nutzen daraus erwachsen ist. Wir hatten die Idee, daß durch die Art, wie wir vorgegangen sind, jedes persönliche Moment ausgeschaltet werden sollte. Dies ist durch einen freien Wettbewerb aller derer, von denen Wert darauf gelegt wird, daß sie in das Goldene Buch eingetragen werden, durchgeführt worden. Nun, meine Damen und Herren, möchte ich auf die Ausführungen der Redner, die hier erfolgt sind, ganz kurz eingehen. Man sagt, daß man über die guten Frauen nicht viel redet. Wenn dieses Sprichwort gilt, dann glaube ich, daß der Nationalfonds nicht zu den schlechten Frauen gehört. An dem Nationalfonds selbst und seiner Verwendung ist hier verhältnismäßig wenig Kritik geübt worden. Die Hauptkritik betrifft meinen Freund, den Leiter des Palästina-Amtes, Herrn Dr. R u p p i n. Nun kennt jeder das nahe Verhältnis, in dem das Palästina-Amt zum Jüdischen Nationalfonds steht, und ich meine, wenn über diese Frau mehr geredet wird, als über den Nationalfonds selbst, dann habe ich wohl das Recht, diese meine Frau auch ein bißchen zu verteidigen und ihren guten Ruf zu schützen. (Heiterkeit.) Da habe ich mich zunächst mit Herrn Kann zu beschäftigen. In der Erwiderung auf die Angriffe von Herrn Kann darf ich ganz kurz sein. Ich habe in diesem Kampfe soviel Verteidiger hier gefunden, daß es kaum nötig ist, daß ich noch darauf im einzelnen eingehe. Allerdings wird es nötig sein, noch einen oder zwei Punkte hier klarzustellen. Herr Kann hat gesagt, nachdem er meine Zustimmung in der rrage des Herzl-Hauses konstatiert hat: Daß die Zahlen, die er angibt, richtig seien, werde ich nicht bestreiten können. Nun, Herr Kann, ich will auf die einzelnen Zahlen nicht eingehen. Ich will hier nur das Prinzip aussprechen: Es ist ein großer Unterschied, ob man bestimmte Zahlen angibt und welche Konsequenz, welche Folgerungen man aus diesen Zahlen zieht, und ich bin der Auffassung, Herr Kann, daß Sie in der Kritik über den Nationalfonds aus diesen Zahlen nicht ganz richtige Schlüsse gezogen haben. Um nur eines zu betonen. Herr Kann sagt, nachdem er die Zahlen angegeben, die Unternehmungen erwähnt hat, an denen der Nationalfonds sich beteiligt hat: Nun sehen wir, der Nationalfonds ist fertig. Wenn Herr Kann nicht ein so überaus gewissenhafter Zionist wäre, ein Mann, den ich seit Beginn der zionistischen Bewegung für einen ernsten, kühlen und klugen Kopf halte, dann müßte ich sagen, diese Be-