Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 277 — wir allmählich, in einem ganz langsamen Tempo — und das Tempo bei Herrn Kann ist sehr langsam — drüben eine kleine Position zu der andern schlagen, weil Palästina außerhalb des wirtschaftlichen Interessenkreises der Mächte liegt. (Rufe: Meint Herr Kann.) Ja! und das ist sein Fehler. Ohne diesen Fehler wäre seine Anschauung überhaupt nicht zu verstehen. Wir aber glauben, daß uns das Blut unter den Nägeln brennt. Wir fürchten jeden Tag, etwas zu verlieren, was nicht mehr eingeholt werden kann, und deshalb — ich sage es klar heraus — müssen wir selbst riskieren. (Lebhafter Beifall.) Wir müssen die letzten Groschen opfern und nicht danach fragen, was morgen sein wird, sondern müssen überzeugt sein, tief innerlich überzeugt sein, daß unsere Idee so sehr Wurzel gefaßt hat und unsere Arbeit so sehr neue Wurzeln in der Diaspora schlägt, daß, wenn die Notwendigkeit es erheischt, unseren Anhängern noch größere Opfer zugemutet werden dürfen, als sie heute leisten. Ich erinnere mich an das Schicksal eines der größten Industriellen der Welt, an Krupp. Der alte Krupp baute und baute. Entwickelte sein Geschäft, entwickelte es und entwickelte es. Schöpferisch, vorkämpferisch war seine Art; doch es kam der Tag, da er mit seinem Geld zu Ende war. Wäre er wie Herr Kann gewesen, er hätte sich beizeiten eingeschränkt, und wäre ein sehr guter, mittlerer, achtenswerter Kaufmann geworden. Aber er tat es nicht. Seine Phantasie trieb ihn fort, wie uns die nationale Not treibt, und da er sein Werk geschaffen hatte und eines Tages vor der Alternative stand, entweder jetzt fremde Gelder zu bekommen oder sein Lebenswerk vernichtet zu sehen, war es selbstverständlich, daß man einem Mann von dieser Tatkraft die Mittel zur weiteren Entwicklung zur Verfügung stellte. Der Erfolg war, daß sein Wagemut und seine Energie ein Welthaus zustande brachten. Wir dürfen nicht anders handeln. Ja wir müssen noch wagemutiger sein und dürfen nicht nach kaufmännischen Bilanzen fragen. Ich glaube, daß niemand, der dem Nationalfonds eine Spende zuweist, auch besorgt ist, ob die Gelder derart angelegt werden, daß sie in der nächsten Bilanz des Nationalfonds als Aktivum erscheinen können. Ich behaupte, daß alle nur von dem Wunsche beseelt sind, daß sie ein nationales Aktivum bilden mögen. (Lebhafter Beifall.) Das allerunverständlichste aber ist die Kritik des Herrn Kann bezüglich der Jemeniteneinwanderung. Wir wissen — ich habe es vorhin schon erwähnt —, wie schwer die jüdische Arbeiterfrage in Palästina ist. Es war ein Glück, daß Herr Dr. Ruppin die Notwendigkeit, hier Remedur zu schaffen, hier einen starken Einfluß zu gewinnen, erkannte und seinen Sendboten nach dem Jemen schidkte. Herr Kann hätte ihn nicht geschickt; er hätte gesagt: ich weiß nicht, vielleicht kommen mehr als man im Augenblicke brauchen kann, denn wenn Jemen einmal in Bewegung ist, lassen die Leute sich nicht nach Weisungen des Palästinaamtes halten; wenn einmal die Flamme zur Rückkehr nach Palästina in ihnen entzündet ist, handeln sie so, wie ihr Bedürfnis es fordert. Herr Kann hätte gesagt, vielleicht kommen zu viele, vielleicht sind die Opfer zu groß», lassen wir lieber die Sache gehen, wir können sie nicht überschauen. Das ist die Psychologie des Herrn Kann und das andere ist die Psychologie des Herrn Dr. Ruppin. Die Kritik der P. L. D. C. aber ist das schädlichste, was sich denken läßt (sehr richtig). Kann ist daran schuld, er und seine Freunde, daß diese Gesellschaft sich heute noch nicht so entwickeln konnte, wie sie sich entwickeln muß, ja er hat sich nicht gescheut, in bezug auf diese Gesellschaft, Leuten, die ihr sympathisch gegenüberstanden, seinen wohltemperierten geschäftlichen Rat zu erteilen. (Lebhafte Hört, Hörtrufe!) Ich will nicht leugnen, daß es der P. L. D. C. erging, wie es allen unseren Unternehmungen gehen muß, daß sie Erfahrungen sammeln mußte, daß