Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 282)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 275 — lansky gehört. Sie haben alle gewisse Ausstellungen gemacht; aber sie haben das Prinzip der Arbeit auf das energischste betont. Die schädliche, ja die vernichtende Kritik, die wir gehört haben, hat einzig und allein Herr Kann vorgebracht, und in seiner Kritik liegt eine große Gefahr. Ich werde Herrn Tolkowsky auf die Einzelheiten seiner Ausstellungen nicht folgen. Es sind Ausstellungen eines Fachmannes, und ich bin überzeugt, daß unser Vertreter diesen Teil seiner Kritik mit der Achtung und der Aufmerksamkeit angehört hat, die sie verdiente. Wenn aus mangelnder Erfahrung bei den Landkaufen in Palästina Fehler vorgekommen sind, so ist das etwas Selbstverständliches und etwas, was, ohne das Prinzip der Arbeit zu berühren, abgestellt werden kann. Man hat gehört, daß die Windverhältnisse in Merchawja für den Getreidebau günstiger als für den Orangenbau sind. Man hat gehört, daß die wesentlichen Bewässerungen, die der Orangenbau erfordert, dort nicht möglich sind, und daß man das nicht berücksichtigt hatte. Wir haben eben ein schweres Kolonisationswerk mit, wie wir eingestehen wollen, unvorbereiteten Kräften begonnen. Diese Kräfte können nur durch die Erfahrungen, die sie im Lande machen, allmählich für unsere kolonialen Zwecke ausgebildet werden. Wir müssen den Mut haben, Fehler zu machen. Wenn wir diesen Mut nicht haben, kommen wir nicht weiter. Ebenso werde ich nicht auf Einzelheiten der Ausführungen der Poale Zion eingehen. Ich sympathisiere mit ihrem Grundgedanken und kann zu meiner Freude konstatieren, daß das nicht lediglich eine persönliche Sympathie von mir ist, sondern daß sie auch Widerhall findet an einer viel wichtigeren Stelle, in der Verwaltung des Nationalfonds. Wir haben von Herrn Dr. Bodenheim er gehört, daß sich die Leitung des Nationalfonds der ausschlaggebenden Bedeutung der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina bewußt ist. Ich wünsche ebenfalls, daß dieser Landarbeiterfrage, soweit es unsere Mittel gestatten, immer mehr Bedeutsamkeit zuerkannt werde. Aber soweit dürfen wir nicht gehen, daß wir, wie es Kaplansky gesagt hat, einfach zur Vernichtung jeder Privatinitiative kommen. So ideologisch vollzieht sich ein Kolonisationswerk von dem Umfang und der Bedeutung des unsrigen nicht, daß man die Unterstützung der Privatinitiative seitens unserer offiziellen Behörden ausschließen dürfte. Sie von den Poale Zion hängen vorerst auch in der Luft ohne diese Privatinitiative. Sie können nicht Palästina aufbauen, als ob wir jetzt am Anfang der Welt wären und als ob alle kapitalistische Entwicklung von Jahrtausenden nicht da wäre. Der Zionismus muß alle Anschauungen nicht nur politischer und religiöser, sondern auch sozialer Art dulden und sie verständnisvoll zum Wohl des ganzen leiten. Sie haben vollkommen recht, die Herren Poale Zion: Es ist ein für das Kolonisationswerk unerträglicher Zustand, wenn die Privatinitiative dazukommt, aus Gründen wirtschaftlicher Ersparnisse die Bedeutung des jüdischen Arbeiters für Palästina zu verkennen. Die jüdische Arbeiterfrage muß zu einer nationalen werden, wie die hebräische Sprachfrage. Allmählich müssen wir allen unseren Kolonisten zu verstehen geben, daß nicht wirtschaftliche Gründe allein in Palästina maßgebend sein müssen, sondern vor allem nationale, und daß, wenn diese nationale Frage keine wichtige Rolle für sie spielt, sie besser in Amerika kolonisieren, als in Palästina. Aber alles von vornherein ausschließen wollen! Alles Geld der Bewegung, wenn sie noch so sehr wächst, wird nicht imstande sein, die Aufgaben, die unser harren, zu erfüllen, wenn nicht eine tätige, entschlossene und dem nationalen Werke ergebene Privatinitiative sie erleichtert. Es muß daher Aufgabe der Behörden sein, einen vernünftigen Ausgleich zu schaffen. 18*