Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 279)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 272 - ihre Wirtschaften zu vergrößern oder Häuser zu bauen. Mit den Geldern des Nationalfonds wird Spekulation getrieben, wird kapitalistische Zersetzung in das arabische Dorf getragen. Das können wir nicht dulden. {Lebhafte Zustimmung. Vizepräsident Dr. Ehrlich: Ich bitte zu schließen.) Die Aufgabe der Kolonisation muß es sein, die Entstehung von Bodenspekulation in der Stadt oder anderswo zu verhindern und das ursprüngliche Programm zu verwirklichen, den jüdischen Bauern zu schaffen. (Lebhafter Beifall.) Nun kann aber der jüdische Bauer nicht aus der jüdischen Mittelklasse, er kann auch nicht aus den Besitzenden hervorgehen. Der jüdische Bauer wird aus dem jüdischen Landarbeiter entstehen. Nur ein Proletarier, der mehrere Jahre hindurch als Landarbeiter in Palästina arbeitet, wird imstande sein, mit eigener Hand seine Scholle, seine Parzelle zu bebauen. Deshalb ist es die wichtigste Aufgabe des Nationalfonds, alle Maßnahmen zu unterstützen, die geeignet sind, den jüdischen Arbeiter zu einem guten landwirtschaftlichen Arbeiter zu erziehen. Deshalb sind wir sehr befriedigt, daß Herr Dr. Ruppin mit solcher Entschiedenheit für die Betriebe des Nationalfonds, für die Lehrfarmen eingetreten ist. \ Wir wünschen, daß die Baumspende zu einem wirklichen Pflanzungsfonds erweitert wird, und daß der Nationalfonds seine Betriebe . vergrößert, damit jüdische Arbeiter in großer Anzahl sich qualifizieren können. Wenn wir aber landwirtschaftlich qualifizierte Arbeiter haben, können wir daran gehen, einen wirklichen jüdischen Bauernstand zu schaffen. Nur wird der jüdische Bauer nicht unbedingt als Einzelbesitzer entstehen. Schon jetzt sehen wir in Palästina, daß das genossenschaftliche Prinzip an Bedeutung gewinnt. Schon sehen wir jetzt, daß wir zu den „Kwuzoth", zu den sogenannten Arbeitsgenossenschaften greifen müssen, um den Boden sogar für die Privatbesitzer zu erobern. Wir haben es bereits auf dem Hamburger Kongreß durchgesetzt, daß die zionistische Organisation die genossenschaftliche Kolonisation in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen hat. Da will ich einige Worte bezüglich Merchawja sagen. Es wird sehr häufig davon gesprochen, daß. wir die genossenschaftliche Kolonisation nicht so in den Vordergrund stellen sollen, weil die Kolonie Merchawja noch keine Dividende gebracht hat. Ich will von vornherein alle, die sich für diese Frage interessieren, davor warnen, auf Grund der zwei Betriebs- und Wirtschaftsjahre, die vergangen sind, den Erfolg der genossenschaftlichen Kolonisation zu beurteilen. Das wäre absurd aus mehreren Gründen. vWir haben in Merchawja noch keine wirkliche Genossenschaft. Wir haben erst einen Großbetrieb, der die Arbeiter zu Genossenschaftern erziehen soll. Ferner sind wir noch hauptsächlich im Okkupationsstadium. Wir haben dort einen Boden in Bearbeitung genommen, der seit Jahrhunderten nicht gedüngt wurde. Es kann also unmöglich von einer fertigen genossenschaftlichen Kolonie in Merchawja gesprochen werden. Wir sind erst im Vorbereitungsstadium und vielleicht erst im primitiven Vorbereitungsstadium. Deshalb würden wir eigentlich wünschen, wenn die Mittel des Genossenschaftsfonds dies gestatten werden, daß man den Versuch einer Genossenschaftskolonie, nach welchem System immer, noch an einem Orte in Palästina in Angriff nehmen sollte, weil der Versuch in Merchawja von vielen äußeren Umständen abhängt, die störend sind. Nun aber gibt es Genossenschaften in Palästina, die nicht minder notwendig sind, als die Siedlungsgenossenschaft, das sind die sogenannten „Kwuzoth - Kibusch". Ich habe gesagt, sogar die Privatinitiative und die Privatgesellschaften bilden, wenn sie neuen Boden in Arbeit nehmen sollen, Arbeitergenossenschaften aus qualifizierten Arbeitern, um diesen Boden zu „erobern". Es fehlt aber häufig den Ge-