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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 270

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 270 (sequence 277)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 270 — Theodor HerzI unsere Palästinaarbeit stets genannt hat. Der Unterschied ist sehr deutlich. Die philanthropische Kolonisation will die ökonomische Existenzfrage, oder sagen wir, die soziale Frage des Einzelnen lösen, sozusagen hinter dem Rücken der Gesellschaft und des jüdischen Volkes, während die nationale Kolonisation die Aufgabe hat, die ökonomische Existenzfrage der jüdischen Arbeitermassen in Palästina zu lösen. Das ist der prinzipielle Unterschied. Ich zitiere sehr oft — und Sie werden mir verzeihen, daß ich es auch jetzt« tue — eine Definition des Zionismus, die Herzl gegeben hat. Er sagte einmal in einer ungedruckten Rede: „Der Zionismus ist eine große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk." Die Palästinaarbeit hat die Aufgabe, große Arbeitsgelegenheiten für die jüdischen einwandernden Massen zu schaffen, und von diesem Gesichtspunkte aus behandeln wir die Ergebnisse unserer Siedlungsarbeit. In einem Punkte kann ich zunächst mit Herrn Dr. Ruppin nicht übereinstimmen. Diese Debatte wird bewußt oder unbewußt von einem großen Gegensatze beherrscht. Uns erscheinen die Einwürfe des Herrn Kann und seiner Freunde nicht so schwerwiegend, wie die grundlegenden Fehler der bisherigen Palästinakolonisation. Der Gegensatz, der die Palästinaarbeit beherrscht, ist nicht der^ zwischen rentensuchenden Kaufleuten und solchen Kolonisatoren, die die Rente verschmähen, sondern es ist der Gegensatz zwischen Besitzenden und Besitzlosen in der Palästinakolonisation. Ich wundere mich daher, daß Herr Dr. Ruppin gemeint hat, es bestehe nur ein Gegensatz zwischen Alter und Jugend. Das ist nicht richtig. Man braucht nicht historischer Materialist zu sein^ um zu sehen, daß zwischen den Interessen der Besitzenden, die nach Palästina einwandern, und denen der Besitzlosen, der proletarischen Einwanderungsmassen, ein großer Gegensatz besteht. Herr Jolkowski aus Rechoboth hat hier behauptet, die Kolonisten in den bestehenden jüdischen Kolonien seien die Träger der ganzen Palästinaarbeit. Das muß ich mit aller Energie bestreiten. Es ist kein Geheimnis mehr, daß wir in Palästina noch nicht den Typus geschaffen haben, der offiziell von dieser Tribüne als das Ziel der zionistischen Kolonisation stets bezeichnet wurde. Es wurde immer behauptet, die Judenfrage werde gelöst sein, wenn der Jude mit seinem Pflug den Boden Palästinas furchen wird. Wir haben aber in Palästina eine jüdische Grundbesitzerklasse, die einem nichtjüdischen Proletariate gegenübersteht. Der Kolonist, der in Palästina besteht, und in dessen Namen Herr Tolkowski offenbar sprechen wollte, ist keineswegs der Typus dieses Bauern. Wir haben in Palästina eine mittlere und eine größere Grundbesitzerklasse. Diese Klasse erhält sich, dank der Ausbeutung von Lohnarbeitern, und zwar von nichtjüdischen Lohnarbeitern. Ein solcher Zustand kann nicht als die Lösung der Judenfrage bezeichnet werden. (Lebhafter Beifall.) Denn wenn auch ganz Palästina privatwirtschaftlich in den Händen von einzelnen. Juden ist, der Boden aber nicht Arbeitseigentum der jüdischen Massen sein wird, ist die Judenfrage nicht gelöst. (Lebhafter Beifall.) Erst wenn wir den jüdischen Bauern haben werden, der im Schweiße seines Angesichtes die Scholle Palästinas bearbeitet, haben wir die Judenfrage gelöst. < Herr Dr. Ruppin hat in ausgezeichneter Weise gesagt, daß wir uns das sittliche Recht auf Palästina erobern müssen, und zwar, durch unsere eigene Arbeit. Aber es handelt sich nicht bloß um diesen sittlichen Rechtstitel, sondern um das Gründproblem. Hat wenigstens die jüdische mittlere und größere Grundbesitzerklasse ein ebenbürtiges jüdisches Proletariat in Palästina"ins Leben gerufen? Hat sie, indem sie die ökonomische Herrschaft im Lande erstrebt, wenigstens den besitzlosen jüdischen Einwanderern die Möglichkeit gegeben, Arbeit in den Kolonien zu finden? Das ist nicht der Fall. Der Klassengegensatz zwischen Grundbesitzern und Proletariat wird

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