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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 258

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 258 (sequence 265)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 258 — worden. Herr Dr. Schmarja L e v i n Herr Ussischkin und Herr Dr. R u p p i n haben also in ganz überflüssiger Weise in so schönen Worten dieses Moment betont, wenn nicht ihre Absicht die gewesen ist, durch "Hervorhebung dieses selbstverständlichen Momentes die Aufmerksamkeit von manchem wunden Punkte unserer Kolonisationsarbeit abzulenken. Ich möchte Herrn Dr. Le vin, Herrn Ussischkin und Dr. R u p p i n dieses sagen: Gewiß, die Begeisterung ist die erste Voraussetzung unserer ganzen Arbeit, sie steht höher als Berechnung und Zahlen; aber die Begeisterung dort vorschützen, wo Zahlen uns über den Erfolg oder Mißerfolg unserer Arbeit belehren sollen, heißt, diese Begeisterung mißbrauchen (lebhafter Beifall. — Widerspruch) und unser Werk schädigen. Herr Dr. Ruppin hat in seinem Referat einigemal von hohen und niederen Arbeitslöhnen gesprochen, und hat dieser Frage eine große Bedeutung zugemessen. In Wirklichkeit ist die Höhe des Lohnes an und für sich nicht alles: wichtig ist auch, wie der Arbeiter seinen Lohn verwertet. Die bessere und rationelle Ausnutzung des Arbeitslohnes durch den Arbeiter, das ist es, was wir anstreben müssen. Wenn der Arbeiter eine Frau haben wird, die ihm statt Borschtsch und teurem aus Europa importierten Hering, eine an Nährstoffen und kraftbildenden Elementen reiche Bohnensuppe und danach eine Polenta aus Durrhamehl auf den Mittagstisch bringen wird, dann wird er für viel weniger Geld als heute eine viel gesündere, dem1 Lande angepaßte Nahrung haben. Die zahlreichen verschiedenen Gemüsearten, an denen es in Palästina wirklich nicht fehlt, werden den Stoff geben zu eben so zahlreichen, appetitlichen und gesunden Gerichten. Und wenn erst die Arbeitersfrau es verstehen wird, eine Kuh oder eine Ziege zu pflegen, aus Milch Butter und Käse zu machen, einen kleinen Hühnerhof zu halten und vielleicht gar in einer Ecke ihres Gärtchens selber etwas Gemüse anzubauen, dann werden die richtigen Bedingungen gegeben sein für die Existenz eines gesunden und glücklichen Landarbeiterstandes. Durch Gewährung von kleinen Häuserbaukrediten und durch die pachtweise Ueberlassung kleiner Gärten für den Gemüsebau soll man die Ausgaben des Arbeiters zu verkleinern suchen; mit Viehversicherungen verbundene Kreditkassen schaffen, um den Arbeitern die Anschaffung von Milchvieh zu erleichtern. Und als allerwichtigstes vielleicht möchte ich die Gründung von landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen nennen, wo man aus Arbeiters- und Kolonistentöchtern tüchtige, für Palästina geschaffene Arbeiters- und Kolonistenfrauen machen soll. (Lebhafter Beifall.) Soweit für die Arbeiter. Es wäre aber auch wünschenswert, daß unsere Leitung an die Kolonisten denken möge. Sie wissen vielleicht, daß alljährlich eine gewisse Anzahl von Kolonistensöhnen das Land verläßt, ohne daß wir bisher irgend etwas Ersprießliches unternommen hätten, um sie dem Lande zu erhalten. An dieser Auswanderung sind nicht nur die allgemeinen Verhältnisse, sondern auch manche Schulen schuld, und insbesondere die Landwirtschaftsschule der „Alliance Israelite" in Mikweh-Israel. In dieser Schule wird das Hebräische recht stiefmütterlich behandelt, während der ganze Unterricht auf französisch erteilt wird. Die Folge ist, daß viele Schüler nach Beendigung der Schule auswandern. Unsere Organisation müßte alles tun, was in ihrer Kraft steht,, um entweder die „Alliance Israelite" zur Abänderung des Schulprogramms zu bewegen oder, wenn dies nicht möglich wäre, die Schule und die dazu gehörige Farm pachtweise in ihre Hände zu bekommen. Eine gute Landwirtschaftsschule mit einer großen und fruchtbaren Versuchsfarm wie Mikweh-Israel ist für uns eine unbedingte Notwendigkeit. Denn wir brauchen nicht nur einen guten Landarbeiterstand, sondern auch technisch gut ausgebildete Kolonisten.

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