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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 254

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 254 (sequence 261)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--4173-3480316
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— 254 — sich zum berufsmäßigen Kritiker der Palästinaarbeit herausbilden will, sehr gut, ich habe nichts dagegen, doch muß er sich dafür wirklich ausbilden. Er soll z. B. einmal für sechs Monate nach Palästina kommen — denn alle die Dinge, von denen Herr Kann jetzt spricht, hat er nicht gesehen, er hat keine einzige Farm gesehen —, er soll also einmal für sechs Monate nach [Palästina kommen, dann können wir Tag für Tag an Ort und Stelle alle Dinge besprechen. Ich kann Herrn Kann versichern, daß sein Urteil nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in Palästina für mich von größtem Werte sein wird. Aber heute, wo Herr Kann nur vom Haag aus die Dinge theoretisch kennt und sich auf irgendwelche Berichte stützt, die ich auch nicht kenne, können Sie es mir nicht verargen, wenn ich vorläufig meiner eigenen Erfahrung einen größeren Wert beimesse, als der Ansicht des Herrn Kann. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Vizepräsident Dr. Ehrlich: Das Wort hat Herr Tolkowski aus Rechoboth. Del. Tolkowski (besteigt die Rednertribüne. — Lärm). Präsident Wolffsohn (den Vorsitz übernehmend): Ich bitte um Ruhe! Del. Tolkowski: Hoher Kongreß! Ich bin ein palästinensischer Kolonist, der unser Land und alles, was dort geschaffen wird, liebt, und selbstverständlich alles mit tiefem Interesse verfolgt. Was dort gut gedeiht, erfreut mich, was nicht gut gedeiht, betrübt mich und treibt mich dazu, die Gründe dieses Nichtgedeihens zu untersuchen und diejenigen darauf aufmerksam zu machen, welche dafür verantwortlich sind. Auch hier will ich an einigen Punkten der Palästina-Arbeit eine sachliche Kritik üben, und mir wird Herr Dr. Ruppin wohl nicht den Vorwurf machen, daß ich von der Palästina-Arbeit nichts verstehe. Daß ich ein überzeugter Anhänger von wirklich praktischer Palästina-Arbeit bin, das habe ich genügend bewiesen, indem ich aus meinem Zionismus die einzig richtigen Konsequenzen gezogen habe und nach Palästina gegangen bin, um dort als Landwirt zu schaffen. Ich muß an der Arbeit unserer Organisation in Palästina, insofern sie die Landwirtschaft interessiert, und der Arbeit der vom Palästina-Amt aus geleiteten Institutionen verschiedene Ausstellungen machen, wovon einige meiner Ansicht nach sehr ernster Natur sind. Und das ist der Grund, warum ich mit zu denjenigen gehöre, welche für diese Sitzung gerne den Ausschluß der Oeffentlichkeit gesehen hätten. Ich muß Kritik üben und ich befürchte, daß manche der von mir angeführten Tatsachen vielleicht den Gegnern unserer Sache zu falschen Auslegungen Anlaß geben könnten. Aber, hoher Kongreß, unser Wunsch auf Ausschluß der Oeffentlichkeit ist nicht verwirklicht worden; es tut mir leid, aber mein Gewissen erlaubt mir nicht, zu schweigen. Ich muß meiner Ueberzeugung Ausdruck geben. Herr Dr. Ruppin hat soeben betont, daß unsere Organisation auf die Privatinitiative wirken muß, sie nach Palästina zu ziehen. Herr Dr. Ruppin hat recht. Ich behaupte aber, daß die P. L. D. C. in ihrem Geschäftsgebaren manchmal eine Handlungsweise annimmt, welche nicht ganz einwandfrei ist; daß sie, um ihren Boden leichter weiter zu verkaufen, um ihre eventuellen Kunden zum Bodenankäuf zu bewegen, Mittel gebraucht, welche wir bei unseren Institutionen lieber nicht sehen sollten. Beweis: Einige Antwerpener Zionisten, zu denen ich gehöre, beschlossen im Jahre 1911 ein größeres landwirtschaftliches Unternehmen in Palästina zu gründen und suchten zu diesem Zweck Boden in Palästina zu erwerben, weshalb ich nach Palästina gehen sollte. Inzwischen bot uns die P. L. D. C, auf unsere Anfrage hin, Boden in Merchawja an; und am 12. Oktober 1911 gingen drei von uns nach Berlin, um von der

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