Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 260)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4172-3480315- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Heiterkeit.) Er sagte: Der gesunde Menschenverstand ist eine schöne Gabe Gottes, aber zu manchen Sachen genügt er nicht. Meißel und Schlägel können ganz wohl dazu dienen, ein Stück Zimmermannsholz zu bearbeiten, aber zum Kupferstechen muß man eine Radiernadel gebrauchen. So ist es auch mit unserem Kolonisationswerke. Es genügt nicht, daß man ein guter Bankier in Europa ist, um für sein Urteil auch über palästinensische Kolonisation Autorität zu beanspruchen. Und nun noch ein Wort über den Ausdruck: „kaufmännisch*1. Herr Kann hat mir vorgeworfen, ich jonglierte mit diesem Worte „kaufmännisch" ein wenig. Kaufmännisch heiße nur geschäftsmäßig, und geschäftsmäßig heiße ordentlich, jawohl, meine Herren, ordentlich arbeiten, das verstehe ich. Aber weshalb nennt man das „k aufmännisch"? Ordentlich muß auch der Gelehrte arbeiten, der Techniker, der Verwaltungsbeamte, das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Aber indem man das „kaufmännisch" nennt, wird der Eindruck erweckt, als ob ordentlich nur von Kaufleuten gearbeitet werden könnte, und das ist gerade das, wogegen ich mich wende. Ich sage, ich arbeite ordentlich, aber nicht immer kaufmännisch. (Lebhafter Beifall.) Der letzte der Vorwürfe, die ich mir notiert habe, war der, daß wir in Palästina alles überstürzen. Meine Herren, ich weiß mich von diesem Vorwurfe frei. Sie haben in meinem Referate gehört, ein wie überzeugter Anhänger der Gründung von Farmen ich bin. Nichtsdestoweniger habe ich in den ganzen fünf oder sechs Jahren meiner Tätigkeit nicht eine einzige neue Farm gegründet oder deren Gründung Deantragt, außer den Farmen, die ich auf dem bereits vorgefundenen Boden des Nationalfonds gründen mußte, und es wird mir nie einfallen, neue Farmen vorzuschlagen, bis ich aus den vorhandenen Farmen genügend Erfahrungen gezogen habe. Und das nennt man Ueberstürzung 1 Herr Kann findet die Jemeniteneinwanderung überstürzt. Das kann ich schon gar nicht begreifen. Welchen Einfluß haben wir darauf, sagen wir einmal, daß die Jemeniten in Jemen bleiben? Wir haben nur folgendes tun können. Wir schickten einen Mann hin, der wies die Leute darauf hin, daß in Palästina Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Ob die Leute kommen oder nicht, das kann man nicht durch ein Telephongespräch nach dem Jemen bestimmen. Ein Jahr ist jetzt seit der Jemeniteneinwanderung verflossen, sämtliche Jemeniten sind untergebracht, haben Arbeit. Ich glaube, das ist gar keine kleine Leistung, und wenn Sie wüßten, wie schwer uns diese Leistung gekommen ist, würden Sie mehr Respekt davor haben, als diese Einwanderung als eine überstürzte Handlung hinzustellen. (Lebhafter Beifall.) Ich sage noch einmal: Es ist unrichtig, wenn man sagt: daß in Palästina große Summen verloren worden sind. Das ist nicht wahr, Wir haben für einige Erfahrungen in den Farmen vielleicht eine gewisse Summe mehr ausgegeben als nötig gewesen wäre, wenn wir nicht das Prinzip, dort Arbeiter, Agronomen und Vorarbeiter auszubilden, gehabt hätten. Aber wir mußten dieses Prinzip haben, weil wir die Farmen nicht als Selbstzweck, sondern als ein Mittel zu dem Zwecke ansehen, und da hätten wir eine absolut unverständliche Sache getan, wenn wir dabei den Profitstandpunkt allein verfolgt hätten. Ich will zum Schlüsse kommen und wende mich dabei direkt zu Herrn Kann. Es tut mir leid, daß diese ganze Diskussion einen gewissen persönlichen Ton angenommen hat. Ich hätte darauf gewiß gar nicht reagiert, aber es trifft die Palästinaarbeit, die mir teuer ist, und diese muß ich mit allen Mitteln verteidigen, die mir zu Gebote stehen, und ich bin dabei gezwungen, leider auch die Person des Herrn Kann hier und da anzugreifen, den ich sonst natürlich — das brauche ich nicht erst zu sagen — in jeder Weise hochschätze. Wenn Herr Kann