Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 258)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 251 - Jahren der Siloa-Tunnel in Jerusalem gegraben wurde, das erste Bauwerk dieser Art, da haben die Bauleute schließlich sich doch gefunden und das Bauwerk zustande gebracht, aber sie kamen nur im Zick- Zackwege dazu, sie mußten oft von dem eingeschlagenen Wege wieder abgehen und einen neuen Weg einschlagen. So ist es auch mit uns. Wir müssen manchmal einen falschen Weg gehen, das läßt sich nicht vermeiden. Es kommt nur darauf an, daß wir davon zurückkommen und den richtigen Weg finden, und ich glaube, beim Bezalel werden wir diesen richtigen Weg finden. (Beifall.) Die Oelbaumspende soll auch 500 000 Frcs. verloren haben. In der gesamten Oelbaumspende stecken heute knapp 500 000 Frcs. Der größte Teil besteht in Gebäuden und Bäumen. Jeder kann sie sehen, sie sind photographiert. Kann denn da das ganze Geld als verloren betrachtet werden? Bei objektiver Beurteilung kann man vielleicht sagen, daß ein kleiner Teil zuviel ausgegeben wurde. Ich habe selbst im Referate gesagt, daß die Ausbildung der Arbeiter uns Geld kosten kann. Aber zu behaupten, das ganze Geld ist verloren, das ist nur darauf angelegt, dem Kongreß Gruseln einzujagen, daß alles in Palästina schief geht. (Lebhafte Zustimmung.) Auch die P. L. D. C. soll 500 000 Frcs. verloren haben. Die P. L. D. C. hat im ganzen 250 000 Frcs. Kapital (Heiterkeit). Sie hat noch ein Darlehen des Jüdischen Nationalfonds von 250 000 Frcs. Dafür ist aber Boden, der mindestens das wert ist, und außerdem ist die Farm „Kinereth" da. Man kann sie schätzen lassen. Vielleicht kommt dann ein Defizit von 50 000—60 000 Frcs. heraus. Herr Kann hat gesagt, er sei ein Freund der P. L. D. C. gewesen. Mich friert bei dieser Freundschaft, Herr Kann. Sie haben sich bei der P. L. D. C. mit einer Gründeraktie von 50 Pfund beteiligt; heißt das, eine Gesellschaft fördern? Das wäre nur dann der Fall gewesen, wenn Sie dafür gesorgt hätten, daß das Kapital von 1 Million Mark, das ich für absolut notwendig betrachte, von vornherein dagewesen wäre, aber nicht, daß Sie sich mit einer Aktie beteiligen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich habe nicht das Recht und will es auch gar nicht tun, einem Gesinnungsgenossen irgendwelche Hintergedanken zuzumuten, ich glaube wirklich, daß Herr Kann es mit seiner Kritik gut meint; aber die Resultate seiner Kritik sind schlecht. (Lebhafte Zustimmung.) Ich denke, Sie werden mir glauben, daß ich von meiner Person ganz abstrahieren und die Dinge objektiv betrachten kann. Und da sage ich Ihnen, daß die Aufgabe, die wir jetzt in Palästina zu lösen haben, zu den schwierigsten Aufgaben gehört, die seit Jahrhunderten dem jüdischen Volke vorgeschwebt haben. (Sehr richtig!) Es muß dort alles aus dem Allergröbsten herausgehauen werden. Wir waren nicht darauf vorbereitet. Wir haben, wie Herr Kann ganz richtig sagt, kein tüchtiges Personal dafür, aber, Herr Kann, wie werden wir dieses tüchtige Personal bekommen, wenn wir nicht arbeiten? Nur durch Schmieden kann man Schmied werden. Man darf aber nicht sagen, wir können erst dann schmieden, wenn wir Schmiede haben. (Sehr richtig!) Das ist ein circulus vitiosus, aus dem mir Herr Kann keinen Ausweg zeigt. Ich sehe in der Meinung des Herrn Kann, wenn man die Sache etwas allgemeiner betrachten will, den letzten Ausfluß des Manchester-Liberalismus, dessen letzte Weisheit die war: Man kann alles nur von dem freien Spiele der Konkurrenz erwarten, von dem Egoismus der Privaten. Meine Herren! Dieser Grundsatz ist heute in der Nationalökonomie der europäischen Länder schon überwunden. Schon hier hat man eingesehen, daß ein Gemeinwesen wirklich in diesen ökonomischen Entwicklungskampf eingreifen und vieles fördern kann. Der Grundsatz ist aber absolut falsch in unserer palästinensischen Arbeit. Wenn wir darauf warten, daß das Eigeninteresse der Privatleute sie