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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 250

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 250 (sequence 257)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 250 — und diese kolonisatorischen Gesellschaften können nicht nach Bankgrundsätzen arbeiten, sondern müssen nach kolonisatorischen Gesichtspunkten arbeiten. (Sehr richtig!) Nur dadurch, daß die Gesellschaften diese kolonisatorischen Gesichtspunkte ins Auge gefaßt haben, ist es ihnen möglich geworden, in den letzten Jahren zehn neue Punkte zu besiedeln, soundsoviel neues Geld nach Palästina zu ziehen und soundsoviel neue Kolonien zu schaffen. Herr Kann hat dann das schwerste Geschütz aufgefahren und erklärt, daß der Bezalel, die Oelbaumspende und die P1. L. D. C. je 500 000 Frcs. verloren haben. Ich mache Herrn Kann wieder darauf aufmerksam, daß ein Kaufmann mit Zahlen vorsichtig umgehen muß. Was den Bezalel anbetrifft, so hat dieser niemals gesagt, daß er das Geld, das er als Schule bekam, als Geschäftsunternehmen zurückzahlen werde. Es waren Spenden, um die Arbeiter auszubilden. Wie kann also hier überhaupt von kaufmännischer Gebarung die Rede sein? Herr Kann hat weiterhin, gestützt auf die Berichte des neuen Geschäftsführers, hier den Bezalel in den schwärzesten Farben gemalt. Ich muß sagen, hier wird den bisherigen Leistungen des Gründers der Schule bitter unrecht getan. (Lebhafte Zustimmung.) Der neue Geschäftsleiter ist nach Jerusalem gekommen und findet, nur mit europäischen Begriffen ausgestattet, daß der Bezalel, nach europäischen Maßen gemessen, noch Fehler hat. Niemand wird das bestreiten; aber der Bezalel ist noch kein ausgewachsener Mensch, er ist erst ein Kind von sieben oder acht Jahren, da kann natürlich die eine Freundin kommen und sagen: Ach, ein schönes kräftiges Kind, aus dem wird gewiß etwas werden, und es kann die andere Freundin kommen und sagen: Sieben Jahre ist das Kind schon alt und hat noch keinen Schnurrbart und spricht noch gar nichts. (Heiterkeit.) Es kommt immer auf den Standpunkt an, von dem man die Sache betrachtet. Wir, die wir die ganze Vergangenheit des Bezalel erlebt haben, wissen, daß aus dem ursprünglichen Chaos dort allmählich etwas Entwicklungsfähiges hervorgegangen ist. Wir verkennen nicht, daß dort noch Fehler sind, aber man kann diese nicht immer ohne weiteres reparieren. Sehen Sie, schon in Europa fehlen für viele wichtige Aufgaben die Menschen, um wieviel mehr fehlen sie uns in Palästina und speziell für eine so wichtige Aufgabe, wie die Leitung des Bezalel es ist. Bis vor kurzem war die Warenproduktion noch so klein, daß es unwirtschaftlich gewesen wäre, für den kaufmännischen Betrieb einen besonderen Leiter anzustellen. Wir dürfen auch nicht verkennen, daß der Initiator in Palästina mit besonderer Delikatesse behandelt werden muß. Wir können nicht Menschen wie Herrn Schatz einschwenken lassen, wie ein Unteroffizier seine Rekruten (lebhafte Zustimmung), sondern wir müssen ihn nehmen, wie er ist, mit seinen Vorzügen und Fehlern, wir müssen die Fehler zu mildern suchen, aber nicht, indem man ihn von der Sache ganz entfernt, sondern indem man ihn allmählich auf den richtigen Weg führt. (Lebhafter Beifall.) Der Bezalel hatte von vornherein ein Janusgesicht, er war zugleich eine Schule und eine Fabrik, und erst allmählich hat sich aus dieser Zwitterstellung etwas herauskristallisiert. Ich weiß nicht, ob sieben Jahre für eine solche Anstalt überhaupt eine lange Zeit sind, in Palästina ist es gewiß keine lange Zeit. Wenn man die Schwierigkeiten berücksichtigt, die sich dort jeder neuen Unternehmung entgegenstellen, so glaube ich, daß die Produkte, die sie drüben in der Ausstellung des Bezalel sehen, ein Beweis dafür sind, daß dort wirklich ehrliche Arbeit geleistet worden ist. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Die Arbeit in Palästina geht nicht in einer ganz geraden Linie vor sich. So kann es nicht sein, weil wir kein Schema, kein Vorbild haben. Sie muß im Zick-Zack verlaufen. Als vor 2500

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