Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 256)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 249 — der einzige Freund der A. P. C. bin. Während in Palästina sonst fortgesetzt über die A. P. C. Beschwerden geäußert werden, habe ich mich diesen Beschwerden stets verschlossen, aber mit einer wichtigen Einschränkung: Ich habe gesagt, die A. P. C. ist keine Kolonisationsbank, sie ist eine Kommerz- und Diskontobank. Haben wir sie als solche gewollt? Ich weiß es nicht. Ich glaube, sie ist ein Tochterinstitut des J. C. T., und dieser war als Instrument der Kolonisation gedacht. Wahrscheinlich die Tochtergesellschaft ebenso. Ich habe, wenn ich mir die heutige Tätigkeit der A. P. C. betrachte und sie zu dem wohl ursprünglich bei der Gründung vorschwebenden Zwecke in Vergleich setze, ungefähr die Vorstellung, wie bei dem Vertrage zwischen Faust und Mephistopheles. Ich denke mir, daß nach der Gründung der Bank einmal der Versucher an die Direktoren der Bank herantrat und ihnen folgendes gesagt hat: Seht, ich halte hier in der Hand den olam hase, die Güter dieser Welt. Ich verspreche euch, Ihr werdet ruhig schlafen können, in Eurem Geschäfte wird alles ruhig zugehen. Ihr werdet keinen Verlust haben, Ihr werdet hohe Dividenden bis 41/ü ' o zahlen (Heiterkeit), aber unter einer Bedingung: Ihr dürft keine Kolonisation treiben. Ihr müßt die Seele, die bei Euerer Gründung Euch gegeben wurde, ausziehen und eine andere Seele, die Seele des Geldvcrleihers, aufnehmen. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Die Direktoren der Bank haben den olam hase gewählt, sie haben auf den olam haba, auf die Ewigkeitswerte, die in unserer Bewegung liegen, verzichtet, und ich mache den Herren keinen Vorwurf daraus. Ich bin es gewesen, der immer folgende Argumentation in Palästina gegenüber den Gegnern der Bank vertreten hat: Unsere Bank, die, wie Herr Kann richtig gesagt hat, in der großen rinanzwelt als ein Parteiinstitut sich schwer Vertrauen erringt, muß zuerst zeigen, daß sie Vertrauen verdient, sie (darf deshalb nur Geschäfte machen, die absolut sicher sind. Deshalb ist es richtig, daß sie sich in der Hauptsache auf die Diskontierung von Wechseln und auf die Verleihung von Geld beschränkt. Aber stehen wir auf dem Standpunkt der Sicherheit, so müssen wir wissen, daß eine Depositenbank keine kolonisatorischen Geschäfte machen darf. Das ist in der Banktechnik Europas ausgeschlossen und ist auch in Palästina ausgeschlossen. Die Bank kann nur solange sichere Geschäfte machen, als sie nicht Kolonisation treibt, und in dem Maße, als sie sich der Kolonisation hingibt, wird sie das Vertrauen verlieren, weil sie dann riskante Geschäfte machen muß. Kolonisation ist kein Diskontogeschäft, Kolonisation erfordert Unternehmungslust, keine Scheu vor einem Risiko. Wenn die Bank das alles nicht tragen will, soll sie als Kommerzbank bestehen bleiben. Sie soll aber wissen, daß ihre besten Freunde und die größte Unterstützung ihr aus Verlusten der Kolonisationsgesellschaften erwachsen sind. (Beifall.) Vor fünf Jahren war in Palästina der Unwille über die Tätigkeit der Bank wahrscheinlich größer als jetzt. Damals bestand die Bank bereits sechs Jahre und sie hatte noch keine Privatinitiative angeregt. Sie hatte nicht eine einzige neue Kolonie gegründet, sie hatte der Kolonisation keinen neuen Weg gewiesen. Ich bin überzeugt, wenn das so weitergegangen wäre, der Unwille hätte die Bank hinweggefegt. Wenn es doch anders gekommen ist, so hur deshalb, weil die Kolonisationsgesellschaften diese schwere riskante Arbeit auf ihre Schultern genommen und die Bank entlastet haben. Wenn man heute in Palästina mit riskanten Geschäften kolonisatorischer Art kommt, geht man nicht zur Bank, sondern eben zu den anderen Gesellschaften, und ich habe schon in meinem Referat erwähnt und wiederhole es nochmals, es wird hier künstlich ein Gegensatz geschaffen, der innerlich nicht berechtigt ist. Die Bank muß kolonisatorische Gesellschaften als Schrittmacher vor sich haben,