Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 248 — Eine schreckliche Geschichte! Wir rauben den Boden Palästinas aus! Ja, meine Herren, Herr Auhagen kennt nicht die grundlegenden Bestimmungen des türkischen Bodenrechts. Der Boden von Dagania war damals noch ungeteiltes Eigentum von uns und den arabischen Nachbarn. Wir mußten ihn jedes erste oder zweite Jahr mit den Arabern wechseln. Hätten wir gedüngt, so hätten wir für andere und nicht für uns gedüngt. Wir waren also an eine primitive Wirtschaftsweise gebunden. Das hätte Herr Auhagen wissen müssen. Es ist sehr bedauerlich, daß jedermann kommen und durch sein Urteil das in schwerer Arbeit Geleistete in Mißkredit bringen kann. Ich muß Herrn Kann dabei den Vorwurf machen, daß er selbst schuld daran ist, daß jedermann nach einem kurzen Aufenthalte in Pialästina sich für berechtigt hält, ein Gutachten abzugeben, das dann mit großer Andacht angehört wird, während unsere eigenen, jahrelang im Lande arbeitenden Leute nicht mit derselben Andacht angehört werden. Herr Kann war einige Wochen in Palästina und hat dann ein Buch darüber geschrieben. Herr Kann, Sie haben mir die Fähigkeit als Kaufmann abgesprochen und wollen mich nur als Schriftsteller gelten lassen. Dann werden Sie mein Urteil auch gelten lassen, wenn ich sage: Ihr Buch ist ein Beweis dafür, daß man über Dinge nicht urteilen kann und soll, die man nicht genau kennt. (Lebhafter Beifall.) Man muß endlich dagegen auftreten, daß jedermann kommen und unsere Arbeit in Verruf bringen kann. (Lebhafter Beifall.) Bei uns hält sich jeder für berufen, über alle Fragen der Kolonisation mitzusprechen. Es gibt keinen Sachverständigen für alle Fächer — außer bei uns. Man kann von einem Sachverständigen, wenn er Botaniker ist, etwas aus dem Gebiete der Botanik erfahren, man kann von einem Geologen Auskünfte über geologische Dinge verlangen, man kann von einem Bauer über praktische Landwirtschaft etwas lernen, aber der Komplex der kolonisatorischen Fragen in Palästina ist ein so großer, daß es fast unmöglich ist, daß ein Sachverständiger alle diese Fragen gleichmäßig umfaßt. Sie können mir vielleicht vorwerfen, ja, wie komme ich dazu? Darauf sage ich Ihnen, ich komme deshalb dazu, weil ich sechs Jahre dort im Lande sitze und an mich täglich alle möglichen Probleme herantreten. Ich kann die Sache heute deshalb besser verstehen als ein einseitig gebildeter Fachmann, nicht weil ich sie von vornherein besser verstanden hätte, sondern weil meine exzeptionell günstige Lage und die tägliche nahe Berührung mit diesen Dingen sie mich besser kennen lernen ließ. Herr Kann hat schließlich gesagt: Ja, warum macht Ihr keine Kleinbetriebe? Das ist der erste positive Vorschlag, den ich von ihm höre. Ueber diese Frage läßt sich reden. Ich bin ein Anhänger von Kleinbetrieben, aber um die von uns gewünschten Kleinbetriebe zu schaffen, müssen wir gerade diese Vorarbeit machen, die wir jetzt tun. Wir müssen Farmen haben, um technische Neuerungen zu studieren, wir müssen ein Arbeiterelement heranbilden. Verstehen Sie doch richtig: Wir errichten die Farmen nicht bloß, um sie als Farmen zu besitzen, Sie haben vielmehr nur Sinn als Basis einer großen Kolonisationstätigkeit, für welche jetzt in den Farmen die Bedingungen und Grundlagen geschaffen werden. (Lebhafter Beifall.) Der Vorschlag des Herrn Kann kommt ungefähr auf das hinaus, was jener scholastische Philosoph erklärte, er müsse erst schwimmen lernen, bevor er sich in das Wasser wage. Wir müssen uns erst in das Wasser wagen, um schwimmen zu lernen. (Lebhafter Beifall.) Die Quintessenz der Ausführungen des Herrn Kann bestand etwa darin, daß alles, was die A. P. C. in Palästina tut, ^gut ist, und daß alles übrige nichts taugt. Herr Kann hat den Beamten der A, P. C. uneingeschränktes Lob gespendet. Ich schließe mich da Herrn; Kann vollständig an. Es ist merkwürdig, daß ich in Palästina vielleicht der beste oder vielleicht