Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 248)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 241 — zu dem Zwecke, um durch die führenden Persönlichkeiten in der Gemeinde das Volk, das unter ihrem Einflüsse steht, zu gewinnen. (Sehr richtig!) In Amerika könnte ich Ihnen drei Persönlichkeiten nennen, die jetzt eine führende Rolle im Zionismus zu spielen bestimmt sind, und diese drei Persönlichkeiten sind sehr interessant in bezug auf ihre verschiedene Stellung. Wir hatten hier die Ehre und den Vorzug, Herrn Prof. Schechter in unserer Mitte zu begrüßen. (Lebhafter Beifall.) Ich hatte die angenehme Gelegenheit, Ihnen eine Depesche von Mr. Nathan St raus vorzulegen. (Lebhafter Beifall.) Jetzt habe ich die angenehme Gelegenheit, Ihnen den Brief des Mr. B r a n d e i s vorzulegen. (Lebhafter Beifall.) Das sind, verehrter Kongreß, drei Persönlichkeiten, die drei verschiedene Typen darstellen. Prof. Schechter ist ein Vertreter der jüdischen Wissenschaft, Mr. Nathan S t r a u s ist der Typus eines sehr reichen jüdischen Finanziers, Mr. B r a n d e i s, dessen Schreiben ich Ihnen jetzt vorlegen werde, repräsentiert den Typus eines amerikanischen Staatsmannes und Nationalökonomen. Und, verehrter Kongreß, wie verschieden die Eigenschaften dieser drei Persönlichkeiten sind, so sind auch die Wege verschieden, wie diese drei Persönlichkeiten zu uns gekommen sind. Die alten Kongreßbesucher und die Historiker unseres Zionismus werden den Namen des von uns allverehrten Prof. Schechter nicht in den ersten Berichten des Kongresses finden. Prof. Schechter, ein sehr hervorragender Vertreter jüdischer Ideen, war in den ersten Jahren nicht unter uns. Er kam zu uns erst in den letzten Jahren, und wir begrüßen ihn um so herzlicher. Prof. Schechter, der jetzt in den Reihen derjenigen steht, die für Palästina besonders tätig sind, und der auch schon Palästina besucht hat und sich zu einer neuen Reise anschickt, ist zu uns gekommen als derjenige, der jetzt an der Spitze einer großen» Unterrichtsanstalt, des Rabbinerseminars in Amerika, steht. Prof. Schechter ist ein Erzieher der Erzieher, er erzieht die Erzieher des jüdischen Volkes. (Beifall.) Verehrter Kongreß! Nathan St raus steht in direktem Zusammenhang mit der Palästinaarbeit, er ist doch derjenige, der durch Palästina zum Zionismus bekehrt worden ist, nicht durch die Propaganda, sondern durch den Besuch Palästinas. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, wir treiben hier keinen Personenkultus, aber im Sinne der gerechten Maxime „Suum cuique", daß man jedem sein Verdienst anrechnen muß, glaube ich, der Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, daß S t r a u s für unsere Palästinaarbeit arbeiten und uns helfen wird, alle die schönen großen Projekte, die wir hier erörtern, zur Ausführung bringen zu können. (Lebhafter Beifall.) Ich gehe auch in medias res, wenn ich das Schreiben von Mr. B r a n d e i s verlese, denn es bezieht sich nicht auf die Diasporafrage im Judentum, sondern auf die Frage, die im Augenblick besprochen wird, auf die Palästinafrage. Aber weil die Sache so ferne liegt und die Personen Ihnen so unbekannt sind, muß ich Ihnen doch einen Begriff geben, was eigentlich Mr. Brandeis in Amerika darstellt. Mr. Brandeis ist nicht ein Typus des jüdischen Gelehrten, auch nicht ein Typus des jüdischen Finanziers. Mr. Brandeis ist ein hervorragender amerikanischer Staatsmann und Nationalökonom, der bis jetzt im Judentum überhaupt nicht hervorgetreten ist. Mr. Brandeis gehört zur Kategorie derjenigen Juden, die vielleicht, ohne es gewußt zu haben, im Sinne jüdischer Ideale tätig waren. Er ist ein amerikanischer Demokrat, ein Vertreter der Interessen großer Volkskreise gegen die exklusiven Interessen der Trusts und der Hochfinanz, daher die große Popularität, deren 18