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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 232

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 232 (sequence 239)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 232 — Nun will ich den prinzipiellen Unterschied zwischen der ganzen Anschauung des Herrn Kann und dem Standpunkte, den Herr Dr. Ruppin und auch die Leitung in bezug auf die Palästinaarbeit vertreten, in einigen Worten Charakterisieren. Es war ungefähr vor zwanzig Jahren, als ich noch ein junger Student war, da fragte mich ein Professor der hebräischen Sprache an der Berliner Universität: „Wie kommt es," sagte er, „ich studiere seit fünfzehn Jahren hebräisch, wenn ich aber eine hebräische Zeitung zur Hand nehme, bin ich nicht imstande, eine Zeile zu verstehen; und kleine jüdische Kinder, die einige Jahre im Cheder zugebracht haben, lesen hebräische Zeitungen!" Ich gab ihm folgende Erklärung, und in solchem Sinne soll auch meine Erklärung jetzt verstanden werden: „Man kann eine Sprache anatomisch, physiologisch und psychologisch lernen. S i e kennen die Grammatik gut; das ist die Anatomie der Sprache. W i r verstehen mehr die Physiologie der Sprache, die bei uns vererbt ist. Deshalb iverstehen die Kinder hebräisch, obwohl sie keine Grammatik gelernt haben. S i e werden es nicht weiter bringen als bis zur anatomischen Untersuchung." Hier hat man von Palästina gesprochen, als ob es ein anatomisches Objekt wäre; etwas, was man so beurteilt, kann man in den engen Rahmen der Zahlen einsperren, und man kann sagen: hier ist es gut, und hier ist es schlecht. Wir vergessen dabei aber ganz, daß wir es in Palästina mit einer Bewegung zu tun haben. Eine Bewegung hat auch manche physiologische und manche psychologische Erscheinungen, die man nicht so erfassen kann. Herr Kann stellt eine Regel auf: „Ich bin auch für die Arbeit in Palästina, aber sie muß gut sein!" Nur — wenn man mit einem Plan kommt, behauptet Herr Kann, er sei unpraktisch. Herr Kann hat die Forderung aufgestellt, man müsse zuerst geeignetes Menschenmaterial vorbereiten und Imüsse ein gutes Personal haben. [Das Urteil über Menschen ist aber, Herr Kann, oft ein sehr subjektives. Denn, Herr Kann, Sie haben auch Menschenmaterial, verschiedene Personen in Palästina, und nicht jeder ist mit ihnen zufrieden. Das ist eben Geschmackssache. Man kann in solchen Fragen ganz verschiedener Meinung sein. Herr Kann hat Ihnen noch etwas vorgeführt und gesagt: Wie würde es aussehen, wäre der Bezalel jetzt ganz geschlossen? Das war eine anatomische Betrachtung. Ich werde Ihnen eine physiologische Betrachtung geben: Wie stünden wir da, hätten wir auf das Menschenmaterial gewartet, und hätten wir keinen Bezalel in Palästina? Und hätten wir nach dem Rezept des Herrn Kann gehandelt, ich versichere Sie, wir hätten in Galiläa keine Dörfer, wir hätten dort auch keine jüdischen Arbeiter. Und, Herr Kann, Sie berufen sich auf zwei Fachleute, die ich nicht unterschätze, die Sie aber viel zu häufig zitieren, auf Auhagen und Arons o h n. Sie wissen: Ich bin ein persönlicher Freund von Aronsohn und ein Verehrer von Auhagen und will diesen Personen .absolut nicht nahetreten. Aber daß Sie sich fortwährend auf diese zwei Herren berufen, weil es Ihnen paßt, als ob es in Palästina nur diese zwei Autoritäten gäbe, das kommt mir etwas sonderbar vor. Wir haben dort auch andere Fachleute, die nicht minderwertig sind, und die die ganz entgegengesetzte Meinung äußern. (Lebhafter Beifall — Rufe: Namen!). Wir haben dort Angestellte des Palästina-Amtes, die ebenso gute Agronomen sind, z. B. D y k in Merchawia, wie W i 1 k a n s k i und verschiedene andere, es sind acht bis zehn Personen, die ich Ihnen nennen könnte. Ich meine, eine palästinensische Autorität kann doch nur derjenige genannt werden, der selbst in Palästina lebt. Herr Kann wundert sich und sagt, wir wirtschaften so schlecht bei dem Häuserbau, wir überschreiten den Kostenvoranschlag, weil wir nicht Erfahrung haben. Hier haben wir es wieder mit diesem gewissen Kreise zu tun. Herr Kann

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