Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 238)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4150-3480293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 231 — die Arbeit der P. L. D, G. in Dagania, er findet auch nicht gut, daß der Nationalfonds Dagania übernommen hat. Ja, was will er eigentlich? Soll Dagania in der Luft schweben bleiben?" Wenn in so frivoler Weise geschäftliche Sachen bei uns behandelt werden, dann allerdings sehe ich keinen Ausweg. Ich habe aber so viel Zutrauen in den gesunden Kern unserer Idee, daß ich überzeugt bin, daß unsere Organisation die Kraft haben wird, die heutigen Schwierigkeiten zu überwinden. Neue Wege angeben kann ich nicht. Mein Rat ist, daß wir die alten und bewährten Wege gehen sollen. Die erste Bedingung für einen Erfolg ist Ordnung in unseren geschäftlichen Angelegenheiten, offen und ehrlich eingestehen, wenn Fehler begangen sind. Es ist für jede Institution ein rationelles Budget aufzustellen, für das der verantwortliche Leiter haften soll. Dann wird es nicht mehr vorkommen, daß der Nationalfonds wie z. B. bei der Siedlungsgenossenschaft immer mehr und mehr hineingeritten wird. Ich will nicht leugnen, daß in Palästina etwas geschaffen ist. Gewiß; ich behaupte aber, daß weit über unsere Kräfte gewirtschaftet wurde, und daß, wenn das so weitergeht, wir daran verbluten müssen. Alle Reden, die wir hier hören werden — und wir werden noch sehr schöne Reden zu hören bekommen — können nichts an dieser einen Tatsache ändern: der Nationalfonds ist momentan fertig. (Ruf: Was heißt das — fertig!) Das werde ich Ihnen sagen. Wenn heute die türkische Regierung, wie öffentlich die Zeitungen bekannt gegeben haben, mitteilt, daß sie die Staatsdomänen in Palästina verkaufen will, dann ist der Nationalfonds heute nicht imstande, sich daran zu beteiligen. (Zwischenrufe.) Man liest die schönen Berichte, die uns vorgelegt werden, man hört die schönen Reden, aber was man nicht sieht und nicht hört, das ist, daß beim Bezalel allein bei einer ordentlichen Wirtschaft eine halbe Million Francs hätte erspart werden können und ähnlich verhält es sich bei der Oelbaumspende, bei der P. L. D. C. und bei vielen anderen Sachen. (Ruf: Beweise!) Alle diese Gelder, die unnütz verausgabt wurden, wären sonst für nützliche Zwecke zur Verfügung. Ich habe den vorigen Kongreß gewarnt, ich habe die Jahreskonferenz gewarnt und habe nicht aufgehört, die Mitglieder des Actions-Comites und des Zentralkomitees auf die Gefahr hinzuweisen, in die heute unsere Organisation gebracht ist. Ich habe meine Pflicht getan; mehr als das kann ich nicht. Ich unterschätze keineswegs die großen Schwierigkeiten, mit denen alle bei der Palästinaarbeit Beteiligten zu kämpfen haben. Wir können diese aber nur überwinden durch solide Geschäftsgebarung, ohne die auch eine so ideelle Sache wie die unsrige nicht existieren kann. (Lebhafter Beifall — Zischen und Widerspruch.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Dr. L e v i n. Mitglied des E. A. C. Dr. Schemarja Levin (mit stürmischem, langanhaltendem Beifall begrüßt): Verehrter Kongreß! Wenn ich auch gezwungen sein werde, auf die einzelnen Punkte der Beschuldigungen, die seitens des verehrten Vorredners gemacht worden sind, einzugehen, so geschieht es nicht etwa deswegen, weil ich Herrn Dr. Ruppin in Schutz nehmen will. Ich hatte die Ehre, mit Herrn Dr. Ruppin die erste Reise naCh Palästina, als er noch ein gewöhnlicher Tourist war, zu machen, und ich hatte die Ehre, ihn vor einigen Monaten in seiner Tätigkeit in Palästina kennen zu lernen. Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß er genug Kraft besitzt, um sich selbst zu verteidigen. (Lebhafter Beifall.) Das E. A. C. braucht sich nicht dabei anzustrengen. Ich hoffe, es wird Dr. Ruppin sehr leicht gelingen, manches zu widerlegen und manches anders zu beleuchten, denn auf die Beleuchtung, verehrter Kongreß, kommt alles an. (Lebhafte Zustimmung.)