Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 237)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 230 — Herrn Levontin, ihm und dem ganzen Stabe seiner Mitarbeiter, gewiß auch Herrn Hirsch in London, der die sehr schwierige Aufgabe-hat, das Gleichgewicht zwischen den palästinensischen Geschäften und unseren Mitteln zu überwachen. Auch die Direktoren haben ihren bescheidenen Anteil an dieser Arbeit. Wir werden uns nicht stören lassen, auch nicht, wenn Herr M o t z k i n ungestüm verlangt, daß wir etwas machen sollen. Ich sagte Ihnen schon, wenn wirklich etwas vorliegt, was in unsem Arbeitskreis fällt, dann werden wir es tun— man sage doch nicht, daß wir, die Kritiker, nichts machen. Ich erinnere nur an die belgische Gruppe, der Herr Jean Fischer angehört, und was mich persönlich anbetrifft — ich liebe es nicht, hier über Privatangelegenheiten zu sprechen — aber ich nehme es mit den meisten wohlhabenden Zionisten hier ,im Saale auf, was der Zionismus mir in Zahlen wert ist. Allein, Boden kaufen in Palästina, da den Bauer spielen, und in Holland wohnen bleiben, das tue ich nicht. Wenn ich einmal in Palästina Boden kaufen werde, dann wird es sein, um selbst darauf zu wohnen. (Lebhafter Beifall.) Herr M o t z k i n, der große Redner, sagte im voraus schon alles, was ich ausführen wollte, und er gab sogar schon die Antwort darauf, auch wenn es nicht ganz gestimmt hat. Auch hat er ein Rezept gegeben, wie die alten Personen der früheren Leitung verfahren sollten. Sie sollen nicht kritisieren. Herr M o t z k i n, es ist unsere Pflicht, zu kritisieren, weil wir die Sache kennen, und die Mitglieder des Actions- Comites wissen sehr wohl, daß unsere Kritik nicht aus den letzten zwei Jahren stammt. Wenn ich heute die gesamte Leitung und auch das Actions-Comite für die Lage der Palästinaarbeit verantwortlich mache, dann ist das mein 'Recht. Ich habe unaufhörlich gewarnt, aber meine Warnungen wurden nicht genügend beachtet. Nie und nimmer habe ich beantragt, unsere Institutionen zu liquidieren, wie verbreitet wurde. Ich habe nur gewünscht, daß sie nach kaufmännischen Prinzipien geführt werden und kaufmännisch in dem Sinne von geschäftsmäßig. Herr Dr. R u p p i n hat mit dem Worte kaufmännisch und geschäftsmäßig etwas merkwürdig operiert. Wenn kaufmännisch heißt, ob immer aus jeder Sache sofort ein Profit hervorkommen kann, dann ist das eine schlechte Definition. Herr Dr. Ruppin weiß sehr wohl, daß auch mir bekannt ist, daß nicht jede Sache "direkt einen Profit geben kann, und daß dieses manchmal viele Jahre dauern kann; aber geschäftsmäßig und ordnungsmäßig muß jede Sache behandelt werden. Diese Prinzipien sind nicht gewahrt worden, deshalb erheben wir unsere Stimme. Und wenn ich gekämpft habe und noch kämpfe, dann ist es gegen den Geist von Unaufrichtigkeit (Oho!-Rufe), von Vertuschung von Tatsachen, von Schönfärberei, die uns manchmal aus den Mitteilungen der Leitung, aus den Artikeln der „Welt" und sogar aus den Berichten von Dr. Ruppin entgegenkommt. (Rufe: Bitte Beweise!) Dieses ist das System unserer Praktischen, vieles zu gleicher Zeit zu unternehmen, ohne ordentliche Vorbereitung, ohne taugliche Grundlage, ohne gutes Personal, und die Folgen sind Mißwirtschaft, Schönfärberei und Unaufrichtigkeit. (Unruhe.) Ich werde mich im großen und ganzen auf diese Ausführungen beschränken. Ich weiß, die Herren haben alles, was sie getan haben, in der besten Absicht getan; aber um ein Beispiel zu nennen, wie hätten wir heute da gestanden, wenn wirklich der Bezalel, von dem schon in der „Welt" berichtet wurde, daß er für kurze Zeit geschlossen war, wenn er für immer hätte geschlossen werden müssen! Man soll mir nicht immer sagen, daß ich Kritik nur der Kritik wegen übe, und daß ich lieber aufbauen soll und zeigen, wie es besser gemacht werden kann. Unser Sekretär, Herr B1 u m e n f e I d, erlaubte sich bei einer Rede in Haag sogar den Witz zu sagen: „Herr Kann bemängelt einerseits