Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 236)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 229 — angenommen hat. Und wir wissen nicht einmal, ob das Direktorium sich je konstituiert hat. Herr Weizmann will Bedingungen schaffen. So schafft man aber keine Bedingungen. Wenn in so wilder Weise Gelder verausgabt werden, dann hilft das alles nichts. Die Basis ist untauglich. Diese Ueberstürzung ist bei uns leider symptomatisch. Unsere Arbeit leidet darunter in jeder Beziehung. Heute gilt das von der Propaganda für eine Agrarbank, die noch nicht existieren kann, das anderemal ist es die Propaganda für eine Jemeniten-Einwanderung, auf die man in Palästina noch nicht vorbereitet, war. Ich bin mir wohl bewußt, daß ich eine Sache berühre, die sehr populär bei uns allen ist, dennoch halte ich es für meine Pflicht, dies vorzutragen. Es liest sich sehr schön im Actions-Comite-Bericht, daß ein Kenner der Landesverhältnisse nach dem Jemen entsendet wurde, um die dortigen Verhältnisse zu studieren. Die Sache ist uns allen sympathisch, aber für Propagandazwecke ist sie zu ernst. Man hätte doch wissen können, daß man nicht vorbereitet war. Ich möchte jetzt noch einiges über die Palästinaarbeit im allgemeinen sagen: Man sagt, es müssen Fehler gemacht werden, es gehe nicht anders, bei Kolonisationsarbeiten gehen immer große Summen verloren. Sehr richtig! Aber wir müssen versuchen, diese Fehler, diese Verluste auf ein Minimum zu beschränken. Wenn es irgendwo brennt, da kann man auch sagen, Gott hat es so gefügt; es ist einmal nicht anders. Aber man wird doch denjenigen verurteilen, der durch seine Nachlässigkeit den Feuerschaden verursacht hat. So verurteile ich diejenigen, die durch ihre Nachlässigkeit die großen Verluste, die in Palästina erlitten wurden, verursacht haben. Früher hat unsere Leitung sich öfter bei ihrer Arbeit in Palästina von Herrn Auhagen, der Ihnen allen aus den Berichten in der „Welt" von früher bekannt ist, leiten lassen. Aber seitdem dieser vor der Art und Weise, wie gewirtschaftet wird, gewarnt hat, ist die Bedeutung des Herrn Auhagen für unsere Leitung erledigt. Ueber die Auffassung, die im Palästinaamte vorherrscht, schrieb mir Herr Direktor Auhagen, der mit eigenen Augen gesehen hat, im Juli d. J.: „Ich halte diese Auffassung geradezu für ein Verhängnis. Das kann sich wohl die königliche Ansiedlungskommission mit ihren Millionen ä fond perdu leisten, nicht aber die zionistische Organisation." Wenn wir es als unsere Pflicht betrachetn, an unseren zweifelhaften Unternehmungen Kritik zu üben, dann werden wir gleich als Gegner der Palästinaarbeit hingestellt. So werden künstliche Gegensätze unter uns geschaffen. Wir sind aber nur Gegner unsolider, abenteuerlicher Versuche, die man mit Unrecht praktische Arbeit nennt. Für gute Arbeit in Palästina sind die Direktoren der Bank immer bereit, Gelder zu bewilligen und werden es immer tun, so lange die Mittel ausreichen. (Lebhafter Beifall.) Man hat mir vorgeworfen, daß meine Kritik unfruchtbar sei, weil sie negativ ist, und man verlangt Fingerzeige, welche andere Wege hier eingeschlagen werden müßten. Man hat gesagt, daß man in diesem Falle meine Kritik freudig begrüßen würde, ich habe aber nicht gemerkt, daß z. B. die Kritik der Herren Aronsohn und Auhagen freudig begrüßt wurde und die haben es gewiß nicht an Fingerzeigen fehlen lassen. Zum Beispiel wurde Herrn Ruppin schon mehrmals empfohlen, anstatt selbst Großbetriebe einzurichten, kleine Betriebe auch mit Viehwirtschaft soviel als möglich zu unterstützen und nicht selbst zu machen. Aber die Herren Dr. Ruppin und Dr. Thon wissen es besser als alle Fachleute zusammen. Und darum fürchte ich, daß unsere Kritik wenig nützen wird. Das ist praktische Arbeit, was die Anglo-Palestine Company in zehn Jahren geleistet hat, und ich zolle meine Anerkennung unserem