Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 233)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 226 — bedingung für eine Besserung ist, daß wir der ungeschminkten Wahrheit in die -Augen sehen. Wir wollen mit der Hauptsache beginnen, dem Jüdischen Nationalfonds. Von dem Jüdischen N.-F. sind mehr als % seines Vermögens in Palästina angelegt. Die Statuten schreiben eine 25 proz. Reserve vor. Daran darf man nicht herumdeuteln. Es ist ganz gleich, ob diese Reserven nach dieser oder jener Methode ausgerechnet werden; jeder versteht, wenn die Investierungen einmal an die äußerste Grenze angelangt sind, daß man dann diese Grenze auch bald wird überschritten haben. Tatsächlich ist dies heute der Fall, und wenn wir in diese unangenehme -Lage kommen, so ist daran nicht allein die Verwaltung des N.-F. schuld. Man kann der Verwaltung nur vorwerfen, daß sie öfters zu leicht zugestimmt, dem Drange zu oft nachgegeben hat. Herrn Dr. Bodenheim er wurde für sein liebenswürdiges Entgegenkommen — so heißt es iii dem Berichte, den ich gesehen habe — schon mehrmals Anerkennung gezollt, aber in der letzten Zeit scheint Herr Dr. Bodenheimer doch nicht mehr liebenswürdig genug zu sein, denn das E. A. C. will seine Fürsorge auch auf den noch nicht investierten Rest des Jüdischen N.-F, ausdehnen. Ich habe verschiedene Beweise, wie ungenügend die Verwaltung des N.-F. in Köln von Palästina aus unterrichtet wird. Ich will Ihnen ein Beispiel geben. In einer großen Transaktion in einer Hypothekenangelegenheit wurde von "dem Palästinaamte ganz eigenmächtig vorgegangen. Die Verwaltung des N.^F. in Köln mußte annehmen, daß die gesetzlichen Erfordernisse in Ordnung waren. Beim Hauptbureau iwar keine absolute Gewißheit. Sie mußte ferner annehmen, daß die Hypothek auf den Namen eines gewissen Herrn eingetragen war, was sich später als nicht richtig herausgestellt hat. Ich will damit nicht sagen, daß die Hypothek nicht in Ordnung war, im Gegenteil, ich glaube nach der Information, die ich nachher bekommen habe, daß die Sache vollkommen in Ordnung ist; aber was ich mit dem Beispiel sagen wollte, ist dieses, daß in einer großen, geschäftlich wichtigen Angelegenheit eigenmächtig vom Palästinaamte vorgegangen wurde, und dalj das Hauptbureau in Köln nicht genügend informiert war. Die Unterlage für alles, was ich sage, kann ich beschaffen. Die Ziffern aus dem Berichte des Jüdischen Nationalfonds zeigen, daß die Verwaltung nicht mehr frei darüber verfügen kann, wie die Gelder angelegt werden sollen. Man hat sie in verschiedenen Unternehmungen engagiert, und diese Unternehmungen fordern immer weitere Investierungen. Ich verstehe, daß man nicht sofort von allen Unternehmungen auf Einnahmen rechnen kann, aber etwas muß doch der große Besitz dem Jüdischen Nationalfonds einbringen, wo er mit ungefähr drei Millionen Francs in Palästina engagiert ist. Zu dieser Ziffer von drei Millionen ist er sehr rasch in den letzten paar Jahren angewachsen. Ich möchte darauf Ihre besondere Aufmerksamkeit lenken, da Herr Dr. R u p p i n von einer Vermehrung von nur 300000 M. gesprochen hat. Ob diese Investierungen etwas tragen, das ist der Prüfstein! Statt dessen sehen wir, daß fortwährend große Zuschüsse erforderlich sind, und das ist kein gesunder Zustand. Ueber die Baumspende hat Herr Trietsch soeben gesprochen. Ich werde darüber weiter nicht viel mehr sagen, als dieses, daß die Leitung mir in Beantwortung meines' Exposes mitteilte, daß man eigentlich keine Erfahrung mit der Pflanzung von Oelbäumen im großen Maßstabe habe. Eine solche Behauptung kann ich nicht anerkennen. Bevor das Palästinaamt da war, gab es zehntausende und abermals zehntausende Oelbäume in Palästina, und es existieren genügend Erfahrungen über Pflanzungen von Oelbäumen. Dieselbe Ausrede hat man wegen des Baues von