Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 230)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 223 Meine Damen und Herren! Wir denken oft an die großen Summen, die glatt verloren gehen für die Uebersiedlung der Hunderttausende von Juden, die jährlich wandern. Wir denken daran, daß die Hamburg- Amerika-Linie und andere Schiffahrtsgesellschaften bis zu 10 Millionen im Jahre und mehr an dieser Auswanderung und dieser Uebersiedlung der Aermsten verdienen, und uns tun diese großen Summen leid. Aber der Durchschnittsjude wandert doch nur einmal aus und zahlt für seine Ueberfahrt ungefähr 150 Mark an die Gesellschaft und daran werden im Jahre von der Hamburg-Amerika-Linie etwa 10 Millionen verdient. Wenn diese Auswanderer in die Hände einer zionistischen Instanz oder einer anderen dazu eingerichteten Körperschaft ihr Vermögen, ihre Tausende legen, um damit ihre Heimstätte anzubauen, so denken Sie nur ein paar Sekunden darüber nach, was für enorme Summen dann zur Verfügung stehen und welche kolossale Institution es wäre, die alle nötigen Arbeiten durch neu anzusiedelnde Arbeiter für die Menschenmassen herstellt, die wir nach Palästina bringen wollen und die wir schon unter den heutigen Umständen nach Palästina bringen könnten. (Lebhafter Beifall.) Meine Damen und Herren! Ich bringe noch eine Einzelheit und werde dann bald schließen. Ich glaube, ich spreche keine fünf Minuten mehr. Ich bitte aber um ihre ernste Aufmerksamkeit, denn es handelt sich jetzt um eine Sache, die die zionistische Oeffentlichkeit in hohem Maße in Anspruch genommen hat und von der man meint, daß ein Hindernis der Kolonisation hierin liegt. Herr Dr. R u p p i n hat uns heute gesagt: Wir brauchen Kolonisation und Agrarkredit. Ein Agrarkredit sei aber erst möglich auf Grundlage einer schon bestehenden Kolonisation. Wir haben viel von Agrarkredit gesprochen, viel von Hypothekenwesen und anderen Dingen, die damit in Verbindung stehen, und viele glauben, aus dem Mangel an solchen Einrichtungen resultiere die Notwendigkeit des kleinen Maßstabes unserer Arbeit. Das ist aber nicht richtig. Wenn Sie freilich einen Hypothekarkredit verlangen, genau wie in Preußen oder Baden, wenn Sie sich ihn mit solchen Statuten wünschen, wie Sie sich sie vorgestellt haben, dann werden Sie nichts erreichen. Sie müssen sich nach den Möglichkeiten der Gegenwart richten und nicht eine ferne Zukunft abwarten wollen, bis sie anfangen zu arbeiten, und dürfen nicht Unmöglichkeiten nachjagen. Absolut nichts steht heute einem vollgültigen Ersatz für den fehlenden Agrarkredit im Wege, einem vollgültigen Ersatz für die fehlende hypothekarische Basis. Wenn heute der Nationalfonds, der dazu da ist, oder eine Gesellschaft, die Sie zu diesem Zwecke erst gründen, es auf sich nimmt, Land und Häuser zu günstigen Bedingungen zu verpachten, oder Land und Häuser unter irgend welchen Vorbehalten und Kautelen zu verkaufen . .. (Vizipräsident Dr. Bodenheim er: Darf man ja nicht!) Herr Dr. Bodenheimer, Sie dürfen andere Sachen auch nicht machen, die Sie gemacht haben. Der N.-F. blüht und gedeiht erst, seitdem er das macht, was er — nicht darf. Und wenn Sie sich entschließen werden, in der Sache, von der ich jetzt sprechen werde, das Beste und Wichtigste zu sehen, was wir machen sollen, dann werden Sie sich auch in diesen Punkten über das Statut hinwegsetzen, und Ihr kleiner N.-F. wird in sehr kurzer Zeit auf das Fünffache und auf noch mehr anwachsen. Aber ich habe ja vorsichtshalber gesagt: ,,Wenn der Nationalfonds oder eine Gesellschaft, die Sie zu diesem Zwecke erst gründen," auf diese Weise Heimstätten, Land und Häuser vergibt, wozu brauchen Sie dann den Agrarkredit? Der Jude, der mit ein paar 100 Mark ins Land kommt, kann dann Land und Haus pachten, oder durch Zahlung