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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 222

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 222 (sequence 229)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 222 - nur bis zur ordentlichen Prüfung zu bringen, so ist etwas faul in dem Staate, den wir noch nicht haben. (Sehr gut!) Meine Damen und Herren! Wenn wir in der Industrie noch nicht weiter halten, so hat das noch einen Hauptgrund: die ganze zionistische Organisation und ihre Vorläufer hatten ein Vorurteil gegen alles, was nicht Landwirtschaft war. Dieses Vorurteil ist unberechtigt. Wenn wir ein ganzes Volk sein wollen, so müssen wir alle Berufe umfassen und dürfen am allerwenigsten an den Berufen vorübergehen, die uns näher liegen, in denen wir schneller Größeres erreichen können. (Lebhafter Beifall.) Weil ich diese Selbstverständlichkeit ausgesprochen habe, galt ich als ein Gegner der Landwirtschaft. Das ist aber vollständig falsch. Ich habe mir mehr Mühe gegeben, landwirtschaftliche Grundlagen auszuarbeiten und zu zeigen, als irgendeiner von den Fanatikern der Landwirtschaft, und ich will Ihnen jetzt eine Industrie zeigen, die der Landwirtschaft näher ist als der Industrie. Wir haben einen großen Kreis von landwirtschaftlichen Industrien unter den besten Möglichkeiten Palästinas, wir haben auch eine kolossale Chance für die Landwirtschaft, wir Juden, besser als alle landwirtschaftsgewöhnten Völker. Die Landwirtschaft industrialisiert sich, und überall in dem Maße, als sie das tut, wird sie würdiger der Arbeit intelligenter Leute. Unsere Intelligenz, die uns oft hindert, zur Landwirtschaft zu gehen, wird dann erst nutzbar gemacht für unsere Arbeit. Wir haben die große Chance, die Landwirtschaft der Zukunft besser zu machen als irgendwelche Völker mit landwirtschaftlichen Ideen, über die man jetzt erst anfängt, hinauszugehen. Aber auch eine spezielle landwirtschaftliche Industrie gibt es, und das soll das letzte Beispiel sein, das ich Ihnen zeigen will. Diese landwirtschaftliche Industrie ist eigentlich eine landwirtschaftliche Beschäftigung nicht ausschließlich landwirtschaftlicher Art. Sie ist die allergrößte Chance, die wir gegenwärtig und für absehbare Zeit haben. Es ist nämlich die Industrie der Vorbereitung von Heimstätten für die Einwanderung, die wir erstreben und auf die wir hinarbeiten können in viel höherem Maße als bisher. Wir müssen dahin kommen, eine Einwanderung zu ermutigen und Mittel und Wege zu zeigen für eine Einwanderung möglichst breiter Schichten, möglichst armer Klassen. (Unruhe. — Präs. Wolffsohn gibt das Hammerzeichen.) Ich behaupte — und ich wünsche von Ihnen, daß Sie diese Behauptung einstweilen respektieren: wir haben die Möglichkeit einer ganz großen Einwanderung auf einer finanziellen Basis, die nicht viel stärker zu sein braucht, als die Differenz der Uebersiedlungskosten zwischen der amerikanischen und der orientalischen Auswanderung, mit einem Betrage, der Ihnen vielleicht unwahrscheinlich vorkommt, der aber weit unter der Ziffer von 4—6000 Francs steht, die Dr. Ruppin noch heute genannt hat. — Mit einer weit unter dieser Ziffer stehenden Zahl können wir eine ganz große Einwanderung machen. Aber nehmen Sie selbst an, es sei möglich, wie Dr. Ruppin sagt, Leute mit 4—6 000 Francs anzusiedeln, dann müßten wir eine Propaganda machen und müßten dafür sorgen, daß die vielen Zehntausende, die nur auf das Wort warten, anfangen, in jahrelangen Zahlungen ihre Gelder nach Palästina zu leiten, um ihre Uebersiedlung vorzubereiten. Die Vorbereitung der Heimstätten für diese große Klasse, die nach vielen Zehntausenden zählt — wenn es nicht stimmt, ist unsere ganze Bewegung fruchtlos — diese Vorbereitung ist ein Geschäft, ist eine Industrie, ist eine Betätigung der Landwirtschaft in konstruktiver Art, die viele Tausend Leute beschäftigen würde, die wir daraufhin ins Land nehmen können.

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