Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 228)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 221 — dieser Industrien zu zeigen und zu propagieren. Kein Mensch denkt aber daran, die Sachen aufzugreifen. In unserer neuen Art von Arbeit, die doch nach der Palästina-Arbeit orientiert ist, habe ich — und das ist eine Anomalie — die allergrößten Schwierigkeiten, irgend etwas auch nur zur Diskussion zu stellen! Herr Dt. Ruppin hat freilich gesagt, alle Anregungen werden sorgfältig geprüft. Ich würde wünschen, es wäre so, ich behaupte aber absolut, es ist nicht so, und ich will Ihnen ein Beispiel geben von einer unglaublichen Drolligkeit —, ein Beispiel, das wirklich unglaublich wäre, aber ich habe meine Angaben von Dr. Ruppin. Ich habe vor vielen Jahren als eine der wichtigsten Industrien in Palästina und als eine, für die es Zeit wäre, die Fabrikation von Baumaterialien, speziell solchen aus Zement und Sand, proponiert. Es hängt mit den Landesverhältnissen zusammen, daß das günstig ist. Die Herren vom Industriesyndikat fanden es auch sehr interessant und baten mich, Grundlagen auszuarbeiten. Ich habe dies getan. Gratis und franko. Die Grundlagen blieben liegen sieben —, nein, in diesem Falle bloß drei oder vier Jahre (Heiterkeit). Dann kam folgendes heraus: Ich glaube, es war im Jahre 1907 oder 1908 — meine Unterlagen waren seit 1904 in den Händen des Palästinaindustriesyndikates, resp. seiner Vorbereiter — wurde eine Sitzung anberaumt und unter anderem verhandelte man auch hierüber. Ich hatte gezeigt, daß man innerhalb 5000 Mark — das ist keine sehr große Summe — eine Reihe verschiedener Baumaterialartikel auf ihre Fabrikationsfähigkeit und ihre faktische Herstellungsmöglichkeit in Palästina prüfen kann. Man sagte, eine solche Reihe von Artikeln ist uns zuviel, wir wollen einen einzigen nehmen. Da kam man auf die Dachziegel, und dabei hielt die Unterhaltung, als Herr Kessler aus Transvaal ins Zimmer trat. Er fragte: Wovon sprechen Sie, und man erklärte ihm, hier liege ein Industrieprojekt für Dachziegel aus Zement und Sand vor. Darauf sagte Herr Kessler, das ist eine veraltete Geschichte; in Südafrika haben wir jetzt Asbestziegel. Darauf ließ man die Zementziegel fallen, und dadurch gingen sie kaput (Heiterkeit). Die anderen Artikel waren schon vorher erledigt. Man wollte doch nur einen. Ich fragte, als ich davon hörte, hat man sich wenigstens erkundigt, ob Asbestziegel in Palästina fabriziert werden können oder ob man sie wenigstens kommerziell einführen kann? Man pflegt doch auch am Import zu verdienen und die Handelsgesellschaft existierte damals noch. Ich bekam darauf die klassische Antwort, dafür hätte doch kein Antrag vorgelegen! (Hört, hört!) Meine Herren! Ich hoffe, es ist besser geworden, aber ich konstatiere, daß es bis zu diesem Tage mir nicht möglich war, irgendwelche Projekte, ausgearbeitete Unterlagen, Ideen kolonisatorischer Natur an einer Stelle anzubringen, die die Sache prüft, und ich bin schließlich nicht der letzte hier, der zu diesen Sachen zu sprechen hätte. Sie wissen, daß, wenn es gilt, über Palästina etwas zu sagen, meine Unterlagen als ziemlich maßgebend hingestellt werden. Ich bin nicht unfehlbar, aber bessere Unterlagen, als ich sie bisher geliefert habe, sind nicht da, — leider — und meinetwegen, um ein Beispiel von ziemlicher Bedeutung hervorzuheben, eine günstigere Industrie als die Spitzenindustrie ist auch noch nicht proponiert worden. Das war auch eine meiner Propositionen, gegen die man gekämpft hat, solange man konnte, und als man sie schließlich aufnehmen mußte, war es ebenfalls im kleinsten Zuge und Maß stabe. Wenn ich mir also, der ich doch eine gewisse Landeskenntnis und eine gewisse Kenntnis der kolonisatorischen Dinge habe, die nicht von Vielen übertroffen wird, Mühe gebe, Grundlagen auszuarbeiten und keine Möglichkeit finde, diese in die Praxis zu übersetzen, oder auch