Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 227)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Aleppo 1× ep/1047811
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— 220 — lagen und Voraussetzungen, aber es gibt Kleinindustrien, die so groß sind, die so viele Arbeiter beschäftigen können, daß sie mir für ihre kolonisatorischen Zwecke unendlich wertvoller erscheinen, als noch so viele Großindustrien mit großen Maschinen und wenigen Arbeitern. Ich habe oft auf die Klein-Spitzenindustrie hingewiesen. Sie sind sehr zufrieden, daß heute 400 Mädchen und Frauen dabei beschäftigt sind. Es könnten aber längst Tausende sein. (Del. Dr. Heymann: Wo ist der Absatz?) Dr. Hey mann ruft mir zu: Wo ist der Absatz?! Ich hoffe, daß es sein letzter Zwischenruf ist, denn es ist nicht möglich, so zu verhandeln. Ich will ihm aber darauf noch antworten. Es ist gar keine Frage des Absatzes, denn wo die Gelegenheiten da waren, fehlte es an Ware, und daß es an Ware fehlte, liegt daran, daß das Geld fehlte, um sich einen größeren Vorrat hinzulegen. Warum aber hatten Sie kein Geld, wenn Sie doch ein Industriesyndikat hatten? Und warum hatten Sie kein Geld, wenn Sie diese Sache wirklich für groß hielten? Meine Damen und Herren! „Mit Reden ist es nicht getan," wurde hier gesagt. Warum ist von der Spitzenindustrie so wenig geredet worden? Darum hat man kein Geld! Vom Bezalel, der weitaus nicht so gut gearbeitet hat, wie diese kleine Spitzenindustrie, von dem hat man so viel geredet, daß er weit mehr als das Zehnfache dessen bekam, was in die Spitzenindustrie gesteckt hat. Wie früher bei der Oelbaumkultur und bei der P. L. D. C, so haben Sie auch hier für die weitaus bessere Sache den schlechteren Weg und für die minder gute den besseren Weg der Geldsammlung gewählt. Hier haben Sie ein Beispiel, das nicht tot zu machen ist. Ich könnte noch vieles darüber sagen, aber die knappe Zeit des Kongresses ist denn doch zu kostbar. Ich habe oft die Zigarettenindustrie vorgeschlagen, so oft, daß man es als meine Spezialtität betrachtet hat, als meine fixe Idee. Das ist eine Industrie, in der die Juden in vielen Ländern beschäftigt sind. Es gibt dabei in Palästina wohl Schwierigkeiten, die man jedoch beseitigen kann, wenn man will. Und will man nicht, so ist überhaupt darüber weiter nichts zu reden. Es ist bis heute gar kein Versuch damit gemacht worden, und doch ist es eine Industrie, die viele Tausende beschäftigen könnte. Ich habe von anderen kleinen Industrien gesprochen, die viele Hände beschäftigen, zum Beispiel die Trikotagenindustrie. In der einen Stadt Aleppo arbeiten daran 8000 Arbeitskräfte — das können wir auch in Palästina. Man hat darauf eingewendet, die Arbeitslöhne in Aleppo seien zu gering. Nun importiert aber Deutschland nach Aegypten und der Türkei von diesem Artikel für 4000 000 Mark. Da ist doch der hohe deutsche Arbeitslohn dabei, abgesehen vom Transport und Zoll. Wir könnten auch hier eine Millionenindustrie schaffen. Was ist aber geschehen? Nichts! Wir begnügen uns in zahlreichen Fällen damit, daß irgend ein Versuch kleinsten Maßstabes, der falsch unternommen wurde, nicht genügend ermutigend aussieht. Dabei bleibt es dann. Es ist auch von Uhrmacherei gesprochen worden. Auch dies ist eine jüdische Industrie, für die der Orient ein großes Feld bietet. Viele Tausende von Leuten könnten darin beschäftigt werden. Wissen Sie, daß in der Schweiz in der Uhrenindustrie, in der Spitzenindustrie lind in gewissen Textilien, ohne daß irgendwelche Rohmaterialien dafür in der Schweiz vorkommen, — und zwar in jeder der drei Industrien 100- bis 150 000 Arbeiter beschäftigt sind? Hier haben Sie ein Beispiel für Industrien ohne Kohle und Eisen, für Industrien, die keine Großindustrien zu sein brauchen, für Industrien, für die der jüdische Arbeiter sich überall als geeignet erwiesen hat. Hierin allein könnte eine sehr große Zahl ihre Existenz finden. Ich gebe mir seit vielen Jahren die größten Mühen, Grundlagen