Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 225)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476276--4137-3480280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— iM8 — lieh großen Fortschritt bedeutet, daß wir uns durch die neue Richtung auf den rechten Weg gefunden haben; aber im Vergleich zu den großen Möglichkeiten Palästinas und vor allen Dingen im Vergleich zu den unbedingten Notwendigkeiten der Judenheit war das bisherige fast nichts. Es war vollständig unzureichend. Es war mit einem Mangel an Schwung und Maßstab gemacht, den ich scharf für die Vergangenheit verurteilen muß, und von dem ich erwarte, daß er mit diesem Kongreß, der die praktische Arbeit als unzweifelhaften Weg auch für die politischen Ziele hinstellt, ein Ende finde. Ich möchte bei dem vorgerückten Stadium des Kongresses, bei dem ein so großer Teil der Tagesordnung sich auf den Schluß zusammen^ drängt, Sie möglichst wenig mit Einzelheiten aufhalten, und will nur das Wichtigste sagen, um Ihnen so viel zu zeigen, daß meine Kritik sich nicht mit allgemeinen Redensarten begnügt. Ich habe beispielsweise in bezug auf die nicht hinreichend geschäftsmäßige Durchführung unserer Angelegenheiten auf folgendes hinzuweisen. Wie gesagt, nur einzelne Beispiele. Wir machen seit vielen Jahren Propaganda für die Oelbaumspende. Es wird von Seite des Vereines „Oelbaumspende", der zu unserer Leitung gute Beziehungen unterhält, eine Rentabilität aufgestellt, wonach — nach einer Reihe von Jahren — eine Rentabilität von 40 °/o herauskommt. Dieselben Herren haben uns die P. L. D. C, bei welcher eine Rentabilität von 51/2 % berechnet wurde (die aber lange Jahre hindurch nicht in die Erscheinung trat), proponiert. Nun frage ich irgendeinen vernünftigen Menschen: Wenn sich zwei Rentabilitäten zeigen, eine von 40 0/0 und eine von 51/2 %, wie kommt es, daß man aus der hohen. Rentabilität eine Art Schnorrerei und aus der kleinen Rentabilität ein Geschäft macht? Ich habe diese Frage unzählige Male gestellt, es hat aber nie dazu geführt, daß wir von Parteiwegen, von unserer Führung aus, die Rentabilität der Oelbaum spende zur Grundlage eines G e -° schäftes hätten machen sehen. Was soll der denkende Beobachter glauben, wenn einem eine Rentabilität von abnormer Höhe gezeigt wird und niemand versucht, das geschäftlich zu fruktifizieren? Bei unseren Banken sagen wir fortwährend: Wenn nicht die Londoner Bank immer nur bloß 2% °/o und die Palästinaer Banken 4 bis 5 °/o geben würden, dann würden wir große Kapitalien heranziehen können. Sie selbst propagieren Rentabilitäten von 40 % und machen kein Geschäft daraus, sondern eine Sammlung sehr kleinen Maßstabes! Das ist durchaus nicht ein Einzelfall. In unseren offiziellen Organen werden noch viel höhere Rentabilitäten publiziert, aber mit der Publikation ist es dann genug. Niemand hebt den Finger auf, um diese kolossalen Chancen unserer Kolonisation zu fruktifizieren. Müssen da die Leute nicht glauben, diese Sachen werden nur gesagt, geschrieben und gedruckt, um den Leuten für Kleinigkeiten Lust zu machen, aber für ernste Zwecke sei das alles nicht wahr und brauche nicht ernst genommen zu werden? — Wir müssen versuchen, solide Grundlagen aufzustellen, und die besten Rentabilitäten wollen wir dann geschäftsmäßig fruktifizieren und nicht die kleinsten, hinter denen das Resultat doch meistens noch zurückzubleiben pflegt. Ein anderes Beispiel: Wir haben ein Industriesyndikat. Dieses Industriesyndikat existiert seit vielen Jahren, ist aber bis heute nicht zur Wirksamkeit gelangt. Und wenn jemand in diesen vielen Jahren mit irgend einem Industrieprojekt gekommen ist — und ich bin öfters gekommen — dann wurde gesagt: Wenn es gut wäre, würde das Industriesyndikat, es machen. Wenn das Industriesyndikat es nicht macht, wird es wohl nicht