Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 223)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 216 — Vieles bleibt uns noch zu tun, um die Palästinaarbeit zu stärken. Die Entwicklung unserer Arbeit in Palästina hängt auf absehbare Zeit durchaus noch von den Fortschritten unserer Bewegung in Galuth ab. Es ist gewiß wahr, daß die Anhänger unserer Bewegung im Durchschnitt opferfreudiger sind als irgend einer anderen jüdischen Organisation. Aber wir müssen noch viel opferfreudiger werden. Wir müssen darauf hinarbeiten, daß überall im Galuth lokale Verbände entstehen, welche sich bestimmte Aufgaben wirtschaftlicher oder kultureller Art in Palästina zum Ziele setzen und welche sich nicht scheuen, auch bedeutende materielle Opfer für diese Zwecke zu bringen. Der Zionismus darf für jeden Zionisten nicht nur eine Parteisache, sondern er muß einen Teil seines Lebensinhaltes bilden. (Lebhafter Beifall.) Wer nicht imstande ist, nach Palästina überzusiedeln, muß sich wenigstens zur Pflicht machen, so oft wie möglich nach Palästina zu reisen und sich an irgend welchen Aufgaben in Palästina materiell zu beteiligen. (Lebhafter Beifall.) Nur auf diese Weise können wir hoffen, daß unsere Arbeit in Palästina nach der Sturm- und Drangperiode, die wir jetzt hoffentlich bald hinter uns haben, lawinenartig anschwellen und uns wirklich zu dem ersehnten Ziele einer großen nationaljüdischen Gemeinschaft in Palästina führen wird. (Stürmischer, langanhaltender, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Präsident Wolffsohn: Ich erteile nunmehr das Wort Herrn Davis T r i e t s ch. Del. Trietsch (mit Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Der Bericht, den wir eben von Dr. R u p p i n gehört haben, ist ganz vorzüglich gewesen in seiner klaren Sachlichkeit und Bestimmtheit. Auch den Bericht des E. A. C. zeichnen dieselben Eigenschaften aus. Aber trotzdem muß ich in einer Hinsicht in der denkbar deutlichsten Form dagegen Stellung nehmen, und diese Hinsicht ist meiner Ansicht nach die allerwrichtigste. Ich will die Kritik nicht in meine eigenen Worte kleiden, sondern in die eines alten Zionisten, der nach der Lektüre des A. C-Berichtes. folgendes fand: der Bericht sei gut und ordentlich und zutreffend in jeder Hinsicht. Aber er habe sich gefragt, was Herzl damit angefangen hätte, und er habe die Antwort darauf gefunden: Erstens hätte er ihn zerrissen! Nach den weiteren Sachen habe ich ihn nicht gefragt, aber ich schließe mich seinem Urteil an. Und dasselbe gilt von dem Bericht, den wir von Dr. R u p p i n gehört haben, und er selbst hat es gesagt, daß sein einziges Bedenken sei, daß, wie sehr auch die Arbeit ihn ausfüllt und wie sehr sie Ihn e n genügt, e r doch das große Bedenken hat, ob dieser Maßstab reicht! Wenn ich heute komme und von einer Gegenüberstellung der jetzigen Arbeit in Palästina mit dem Herzischen Maßstabe der Arbeit ausgehe, so ist das sonderbar genug. Ich würde auf keinen Fall damit sagen wollen, „zurück zu Herzls Charter". Das wissen Sie alle — aber zurück zu mehr von Herzls Maßstab und Schwung, womit damals alle Arbeiten eingeleitet wurden. — Aus meiner Gegnerschaft zu Herzl habe ich nie ein Hehl gemacht, und wenn ich heute meine Kritik mit diesen Worten einleite, so tue ich es in der Ansicht, daß Sie auf diese Weise am besten verstehen werden, worauf ich hinaus will. Ich bin sehr mit der Richtung zufrieden, die wir heute im Zionismus haben