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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 215

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 215 (sequence 222)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--4134-3480277
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— 215 — wo bei dem primitiven Fruchtwechsel viel Boden brach liegen mußte. Wenn trotzdem die Beziehungen zwischen Juden und Arabern manches zu wünschen übrig ließen, so ist das nicht zu verwundern. Die neuen jüdischen Einwanderer sind von der arabischen Bevölkerung in Sitten und Gewohnheiten durch eine große Kluft getrennt, und beide Teile haben sich bisher wenig Mühe gegeben, sich gegenseitig zu verstehen, eine Erscheinung, die ja allerdings überall zu beobachten ist, wo zwei Bevölkerungselemente von verschiedener Kultur und verschiedener Sprache aufeinander stoßen. Es kommt noch hinzu, daß die große Masse der Araber in ihrer Meinung sehr stark abhängig ist von einer dünnen Oberschicht einflußreicher Familien. Auch die ganze arabische Presse wird von dieser Oberschicht beherrscht, die zum großen Teil der christlichen Religion angehört und mit der christlichen Religion auch eine gewisse gegensätzliche Stellung zu den Juden übernommen hat. Es ist gewiß nicht unmöglich, diese antijüdischen Beeinflussungen ziu bekämpfen. Dazu ist nötig, daß wir in der arabischen Presse den falschen Ausstreuungen über die Juden entgegentreten, und daß wir auch durch persönlichen Verkehr mit einflußreichen Arabern ihnen unsere Absichten verständlich machen. Von Wert wird es auch sein, wenn durch die Einführung der arabischen Sprache in unseren höheren Schulen allmählich ein Geschlecht heranwächst, das mehr als die bisherige Generation imstande ist, mit den Arabern in ihrer eigenen Sprache zu reden. Eigentlich müßte ich, um in meinem Referate einigermaßen vollständig zu sein, auch unsere kulturellen Aufgaben in Palästina besprechen. Ich unterlasse es aber, weil Herr Ussischkin darüber ein besonderes Referat erstatten wird, und weil er auf diesem Gebiete natürlich hundertmal mehr sachverständig ist als ich. Was mir auf kulturellem Gebiete wichtig erscheint, ist, daß die verschiedenen Bestrebungen kultureller Art in Palästina an einer bestimmten Stelle zentralisiert werden, und ich habe die Absicht, hierfür in den Kommissionen besondere Vorschläge zu machen. Ich hoffe, daß es mir gelungen ist, mit meinen Ausführungen zu zeigen, daß wir bei unserer Arbeit in Palästina nicht wahllos zu Werke gegangen sind, sondern daß wir dabei ein bestimmtes System verfolgen, und ich hoffe, daß Sie dieses System billigen. Daß die Arbeit in Palästina notwendig ist, darüber herrscht heute wohl nur eine Meinung. Die Wirkungen unserer Palästinaarbeit zeigen sich ja nicht nur in dem, was wir in Palästina geschaffen haben, sie zeigen sich auch in den Ausstrahlungen, welche die Palästinaarbeit in den Ländern des Galuth hervorbringt. Jeder Tourist, der von Palästina zurückkommt und jeder Zeitungsartikel, der von dem jüdischen Palästina erzählt, schafft uns neue Anhänger für unsere Idee. Auch das gute Verhältnis, in dem wir heute z!u allen anderen an Palästina interessierten Kolonisationsgesellschaften stehen, ist nur dadurch möglich geworden, daß wir in Palästina praktisch zu arbeiten begannen und von Worten zu Taten übergingen. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, daß dieses gute Verhältnis zu allen anderen Gesellschaften auch kein geringer Aktivposten in unserer Arbeit ist.

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