Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 221)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 214 — jüdischen Wirtschaftskreis, in dem Konsument, Zwischenhändler und Produzent sämtlich Juden sind. Unsere Taktik bei der Ansiedlung in Palästina ist dadurch vorgezeichnet. Wir müssen in der Nähe der Städte bleiben, in denen schon jetzt eine zahlreiche jüdische Bevölkerung lebt und müssen versuchen, durch Gründung von Kolonien bei den Städten oder in der Nähe der Städte den städtischen Juden ein wirtschaftliches Hinterland zu verschaffen. Wir müssen ferner danach streben, daß die Kolonien oder Kolonienkomplexe durch gute Verkehrswege miteinander verbunden sind. Diese Prinzipien haben uns bei allen Landkäufen der letzten Jahre zur Richtschnur gedient. Es ist aber zugleich eine unabweisbare Aufgabe, das Beieinanderwohnen von Juden und Arabern zu einem friedlichen und möglichst freundschaftlichen zu machen. Wir haben hier vieles nachzuholen, was wir bisher versäumt haben, und begangene Fehler wieder gut zu machen. Natürlich ist es vollständig nutzlos, wenn wir uns darauf beschränken, den Arabern zu versichern, daß wir als ihre Freunde ins Land kommen. Wir müssen dies vielmehr durch Taten beweisen. Zwar ist es sicher, daß die jüdische Kolonisation bisher den Arabern schon große materielle Vorteile gebracht hat. Die Juden haben nicht nur den Arabern in der Umgegend der Kolonien Arbeitsverdienst gegeben, sondern durch die jüdische Einwanderung ist auch der Preis des Bodens und der Preis der landwirtschaftlichen Produkte erheblich gestiegen, und den Vorteil davon haben die Araber gehabt. Es ist auch nicht gering anzuschlagen, daß die Araber von den Juden in landwirtschaftlicher Beziehung viel gelernt haben, und daß ihnen In Krankheitsf ällen durch den Arzt und den Apotheker der jüdischen Kolonie Hilfe geleistet wird. Es wird aber in dieser Richtung noch mehr geschehen müssen. Ich habe schon in meinem vorjährigen Berichte zur Jahreskonferenz darauf hingewiesen, daß wir Juden uns durch Bekämpfung der epidemischen Krankheiten in Palästina, insbesondere der fürchterlichen und bei den Arabern ungemein verbreiteten Augenkrankheiten ein großes Verdienst erwerben könnten, und daß die systematische Bekämpfung durchaus im Bereiche unserer Mittel liegt. Inzwischen hat dieser Gedanke durch die Initiative des Herrn Nathan Strauß, in Verbindung mit anderen Gesellschaften, bereits greifbare Gestalt angenommen, und es ist zu hoffen, daß wir uns durch diese Arbeit bei den Arabern Sympathie erwerben werden. Zugleich aber erfordert die Rücksicht auf die Araber, daß wir bei allen Landkäufen mit größtem Takte zu Werke gehen und dabei Härten gegen die Araber vermeiden. Wir haben dies auch schon bisher befolgt, indem wir zum allergrößten Teil nur solchen Boden kauften, der für Getreidebau wenig geeignet und deshalb für die Araber fast wertlos ist. In den wenigen Fällen, wo wir Getreideboden gekauft haben, haben wir dafür gesorgt, daß die bisherigen Besitzer entschädigt wurden und ohne Groll blieben. Wir glauben, daß auch in der Zukunft noch viel Landerwerbungen zu machen sind, ohne daß den Arabern der Boden zu knapp wird, weil sehr viel Boden, der für die Araber ungeeignet ist, für uns als Pflanzungsboden verwendbar ist, und weil außerdem die Araber ihre landwirtschaftlichen Methoden verbessern und dadurch mit viel weniger Boden auskommen, als bisher,