Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 214)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 207 — ernd befriedigende Erträge liefert, und daß der Ansiedler selbst wenigstens so viel besitzt, um das bewegliche Inventar aus eigenen Mitteln zu erwerben. In Zahlen ausgedrückt heißt das, daß jeder Ansiedler mindestens 2000 Francs eigenes Kapital haben und für einen Kredit von mindestens 15 000 Francs völlige Sicherheit bieten muß. Da die jungen Leute zum allergrößten Teile ganz mittellos nach Palästina kommen, müßten sie diese 2000 Francs durch ihre Arbeit in Palästina selbst verdienen. Es ergeben sich also folgende drei Fragen: 1. In welcher Weise können Arbeiter in Palästina zu Ersparnissen kommen? 2. Welche Betriebsform auf der Basis des Getreidebaues liefert dauernü angemessene Erträge? 3. Wie Jäßt sich der für die Installierung solcher Kolonisten erforderlicht Kredit von 15 000 Francs pro Kolonist beschaffen? Vorläufig sind alle diese Fragen noch nicht gelöst. Wir können nur sagen, daß wir an der Lösung arbeiten. Für die Erreichung von Ersparnissen erhoffe ich viel von den Arbeiter- und Siedlungsgenossenschaften^ indem hier die Arbeiter durch überdurchschnittlichen Eifer hoffentlich allmählich auch überdurchschnittliche Einnahmen haben und davon etwas werden zurücklegen können. Auch ist es möglich, daß der eine oder andere Häusler Ersparnisse macht und dann ein Vollkolonist wird. Die technische Frage: Wie ist der Getreidebau rentabler zu gestalten? wird von allen unseren Farmen mit Eifer studiert und praktisch erprobt. Für die Kreditfrage 'endlich soll eine Agrarbank sorgen, sobald die türkische Gesetzgebung das Hypothekenwesen in europäischem Sinne geregelt haben wird. Das in diesem Frühjahre erlassene neue Hypothekengesetz hat dies leider nicht getan, sondern ist auf halbem Wege stehen geblieben. Wir müssen uns deshalb damit zufrieden geben, daß die Lösung dieses Zentralproblems unserer Kolonisation noch einige Zeit dauern wird und daß wir zu seiner baldigen Lösung unser Bestes tun. Inzwischen müssen wir die anderen schon heute gangbaren Wege gehen, wie es die Form der Häuslersiedlung ist, und müssen außerdem dafür sorgen, daß ständig neue Einwanderer der Landwirtschaft zuströmen, damit wir für die Häusler- und später einmal für die Kolonistenstellen passende Bewerber zur Verfügung haben. Dazu genügen nicht unsere Farmen, die ja, um eine möglichst große Zahl von Arbeitern anzulernen, diese immer nur relativkurze .Zeit behalten können; dazu ist nötig, daß der jüdische Arbeiter sich auch in den Kolonien seinen Platz erobert. Das ist deshalb nicht leicht, weil der Lohn des jüdischen Arbeiters höher ist als der des arabischen Arbeiters. Der Araber hat einen niedrigeren Standard of iife als der aus Europa einwandernde jüdische Arbeiter. Er hat außerdem mindestens ein Häuschen und Nebeneinnahmen aus der eigenen Wirtschaft und aus der Mitarbeit von Frau und Kindern — während der jüdische Arbeiter nur auf seinen Arbeitslohn angewiesen ist, obendrein noch Wohnungsmiete zahlen muß und viel mehr von Krankheiten zu leiden hat als der bereits an das palästinensische Klima angepaßte Araber. In vielen Kolonien