Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 215)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 208 — bilden die jüdischen Arbeiter nur eine kleine Minderheit, und zwischen ihnen und den Kolonisten herrschen Gegensätze, von denen die Arbeiterpresse voll ist. Man will diese Gegensätze auf das Prokrustesbett des Gegensatzes zwischen Kapitalisten und Proletarier spannen. Aber das heißt den Dingen Gewalt antun. Es handelt sich hier meines Erachtens einfach um den Gegensatz des Alters und der Jugend. Für den jungen Mann, der voll Begeisterung nach Palästina kommt, spielt die materielle Frage gegenüber der nationalen nur eine geringe Rolle; für den Kolonisten, der schon in reiferem Alter ist und für eine Familie zu sorgen hat, tritt die materielle Frage in den Vordergrund. Das ist psychologisch so leicht verständlich, daß es unnötig ist, darüber viele Worte zu machen. Begeisterung und Selbstaufopferung ist in der ganzen Welt das Vorrecht der Jugend, und wir können es bei unseren Arbeitern am allerwenigsten vermissen. Im Gegenteil, gerade wegen ihrer nationalen Begeisterung sind sie für uns so wertvoll. Unsere ganze Stellung zu den Arbeitern müßte sich in dem Augenblicke ändern, wo sie diesen Idealismus verlieren und lediglich ihre materiellen Interessen hervorkehren würden. Ich sehe nicht ohne Besorgnis, daß sich solche Tendenzen hier und da geltend machen. Ich hoffe aber, daß die Gesamtheit der Arbeiter ihre Opferfreudigkeit bewahren und durch strengere Zucht auch die widerstrebenden Elemente in diesem Sinne erziehen wird. ich glaube, daß in den neuen Kolonien die wir gegründet haben und noch gründen wollen^ das Arbeiterproblem viel an Schärfe verlieren wird, weil wir von vornherein auf die Beschäftigung jüdischer Arbeiter Rücksicht nehmen und den ganzen Kolonieplan darnach einrichten, so z. B. bei den Pflanzungskolonien durch die gleichzeitige Ansiedlung von Häuslern. Die alten Kolonien dagegen sind, was die Arbeiterfrage anbetrifft, im Zuschnitt verpaßt, und ich glaube nicht daran, daß sich hier sehr viel ändern läßt. Was wir hier noch anwenden können, ist, daß wir versuchen, die Konkurrenzfähigkeit des jüdischen Arbeiters nach Möglichkeit zu heben. Das tun wir, wenn wir in den Farmen die Arbeiter berufstüchtig machen oder wenn wir für sie in und bei den Kolonien Arbeiterhäuser, Arbeiterheime und Arbeiterküchen schaffen, welche die Lebenshaltung verbilligen. Eine größere Bedeutung hat die von uns inaugurierte stärkere Einwanderung der jemenitischen Juden, weil diese keine europäische Gewohnheiten und Ansprüche mitbringen und deshalb ungefähr mit dem landesüblichen Lohne auskommen können. Soviel über die Arbeiterfrage, das heißt, die Heranziehung von Menschen. Bei der zweitwichtigen Frage, der Heranziehung von Kapital nach Palästina, kann ich mich weit kürzer fassen. Eis hat sich im Laufe unserer fünfjährigen Tätigkeit gezeigt, daß man große Kapitalien für Palästina heranziehen kann, wenn man nur die Kapitalsanlage dem Kapitalisten in handlicher Form anbietet. Das ist uns gelungen, weil wir durch aufklärende Schriften den bemittelten Palästinafreunden in der Form der Pflanzungsgesellschaft (Achooza) einen leicht gangbaren Weg zeigten, und weil wir ferner in der P. L. D. C. ein Institut für ländliche Parzellierung und in der im Jahre 1909 gegründeten Immobiliengesellschaft Palästina ein