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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 204

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 204 (sequence 211)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 204 — hende Kolonisationsarbeit ist auch kein Agrarkredit m ö g 1 i c h. Es hat mich sehr geschmerzt, daß Herr Wolffsohn in seiner gestrigen Rede geglaubt hat, die Verdienste unserer Bank nur dadurch erhöhen zu können, daß er die anderen palästinensischen Gesellschaften verkleinerte. Ich werde ihm auf diesem. Wege nicht folgen und nicht die anderen palästinensischen Gesellschaften auf Kosten der Bank herausstreichen. (Lebhafter Beifall.) Dazu ist mir unsere Bank zu teuer. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß es vollständig falsch ist, das Verleihen von Geld, womit sich unsere Bank beschäftigt, mit kolonisatorischer Tätigkeit zu vergleichen. (Beifall.) Geldverleihen ist ein Geschäft, das wir Juden leider seit zwei Jahrtausenden mehr als zuviel betreiben; es wäre also mehr als merkwürdig, wenn wir auf dem Gebiete, auf dem wir in allen Ländern der Welt excellieren, nicht auch in Palästina etwas leisten sollten. Aber wo in der Welt finden Sie jüdische Kolonisatoren^ wo finden Sie landwirtschaftliche Sachverständige, Leiter und Arbeiter, wo finden Sie ein Schema oder Vorbild für solche Arbeit? Hier müssen wir selbst erst mit Schweiß und Blut durch dichtestes Gestrüpp unseren Weg bahnen, dort finden wir einen breiten ausgetretenen Weg. Ist es da möglich, die Leute, welche auf dem ersten Wege .sich Schritt für Schritt das Vorwärtskommen erkämpfen müssen, mit jenen zu vergleichen, die auf dem anderen Wege freie Bahn vor sich haben? Mancher meint, daß unsere kolonisatorische Tätigkeit in Palästina schon ungeheuer groß sei. Mir kommt sie leider im Verhältnis zu unserer Aufgabe jämmerlich klein vor. Diese Kleinheit ist sogar meine größte Sorge. Alle Schwierigkeiten unserer Arbeit werden mich nicht abschrecken, solange diese Arbeit selbst eine große Perspektive hat und mir ein Anfang zu Größerem scheint. (Lebhafter Beifall.) Aber ich müßte und wir alle müßten in dem Moment verzweifeln, wo wir diese Perspektive nicht mehr haben. Deshalb ist es nötig, daß die Anfänge nicht gar zu winzig sind, die Basis unserer Arbeit nicht gar zu schmal ist, denn der Anfang bestimmtdieExpansionsbreitein derZukunft. Selbst wenn unsere Arbeit nur vorbereitender Art ist und nur Versuche darstellt, so muß sie doch gewisse Dimensionen haben. Sie wissen aus den Naturwissenschaften, daß ein Versuch oft gar nichts besagt, aber eine Reihe von Versuchen mit variierten Bedingungen liefert entscheidende Resultate. Und noch eins. Früher hatte unsere Bewegung in der Charter-Idee ein großes Ideal. Wir haben uns jetzt damit abgefunden, daß wir unser Ziel nicht durch den Charter, sondern durch praktische Arbeit in Palästina erreichen müssen. (Lebhafter Beifall.) Auch aus diesem Grunde darf die Arbeit nicht zwerghaft sein. Ich würde es deshalb als ganz falsch ansehen, wenn wir aus übergroßer Vorsicht uns zur Maxime machten, Reserven anzusammeln, und auch das Wenige nicht zu tun, was wir mit unseren Mitteln tun können. Bei meiner Tätigkeit mußte stets der letzte Pfennig mitarbeiten. Für eine Sparbüchsenpolitik ist die Zeit zu kurz und die Aufgabe zu dringend. Alle aufgesammelten Millionen werden bei der fortschreitenden Entwicklung Pa-

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