Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 209)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 202 — starker Zuversicht. Die wenigen jungen Leute der Kolonie, die früher nur an überseeische Länder dachten, erwarten jetzt ihre Zukunft nur von der Arbeit. Wie hat sich aber auch die Arbeitsmethode verändert! Kolonisten, die früher nur auf die arabische Arbeitsmethode schworen, geben jetzt zu, daß 200 Dunam gut bearbeitet mehr als 400 Dunam bearbeitet in der früheren Art bringen. Man sieht nicht mehr die Misthaufen vor den Häusern, und man ist auch nicht mehr ganz wie früher auf das arabische Gemüse angewiesen. Es gewährt eine besondere Freude zu sehen, mit welcher Lust und Liebe die Kinder der Kolonie in den Gemüse- und Blumengärten arbeiten. Nun wissen Sie ganz gut, daß diese wunderbaren Veränderungen nur dem Einflüsse der Arbeitergruppe zuzuschreiben ist. Unter diesem Einfluß stand auch das öffentliche und moralische Leben der Kolonie. Umsomehr bedauert es die Kolonie und jeder Kolonisationsfreund, daß die Arbeiter demnächst die Kolonie verlassen sollen. Es ist klar, daß dadurch ein Rückfall eintreten wird, denn acht Monate sind eine zu kurze Zeit, um eine andauernde Wirkung auszuüben. Die neuen Kolonisten, die jetzt sich dort ansiedeln^ würden auch nur unter dem Einfluß der Arbeitergruppe für die Kolonie von Segen sein; ohne sie werden sie bald den alten gleich sein. Darum erlaube ich mir, Sie darauf aufmerksam zu machen: Sie waren die Retter einer absterbenden Kolonie, bleiben Sie nicht stehen in der Mitte des Weges! Bevor man neue Positionen gewinnen will, muß man die alten halten. Um Kastinieh, das für Südpalästina ein Zentrum des Jischuws werden könnte, zu halten, gibt es keinen anderen Weg, als einen Teil der Gruppe dort zu belassen. Sie werden dadurch nicht nur für Kastinieh, sondern für unsere gesamte Kolonisation in Südpalästina ein segensreiches Werk leisten." Ohne die Arbeiter ist die Kolonisation abgestorben, mit ihnen lebt sie. (Lebhafter Beifall.) Ich denke, solche Fakten sprechen mehr als lange Abhandlungen und sind die beste Rechtfertigung für den von uns eingeschlagenen Weg. Sie werden jetzt wohl auch verstehen, weshalb die mehrfach gehörte Forderung, wir müßten kaufmännisch arbeiten, für die kolonisatorische Arbeit in Palästina absolut nicht paßt. Wollten wir kaufmännisch arbeiten, so müßten wir unsere Arbeit ausschließlich daraufhin einstellen, daß -jeder Betrieb am Ende jeden Jahres einen möglichst hohen Profit bringt; die zionistische Organisation und ihre Institute glichen dann etwa einer Aktiengesellschaft zur Erzielung möglichst hoher Dividenden. Nun, ich bin selbst lange Jahre Kaufmann gewesen, und meine kaufmännischen Instinkte sind vielleicht nicht geringer als bei irgend einem anderen Juden. Aber ich rechne es mir gerade als Verdienst an, daß ich imstande bin, diese kaufmännischen Instinkte überall den höheren Anforderungen unserer nationalen Bewegung unterzuordnen. (Lebhafter Beifall.) Wo kdne kolonisatorischen Gesichtspunkte vorherrschend sind, legen auch wir Wert auf Geldverdienen, und die Arbeit und die Dividenden der