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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 201

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 201 (sequence 208)
Language
German, English, Hebrew
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— 201 — Linie den neuen Farmen zuzuschreiben. Ohne die Farmen hätten die jungen Leute zum allergrößten Teile keine landwirtschaftliche Beschäftigung finden können. Der junge Einwanderer ist im Anfange durch den Klimawechsel und durch seine Unkenntnis meist ein so schwacher Arbeiter, daß kein privater Kolonist ihn beschäftigen will. Der Kolonist will und kann auch häufig kein Lehrer sein und will und kann seinen Betrieb nicht zu einer Schule machen. Er braucht einen Arbeiter, der die Arbeit schon kennt. Die Folge ist, daß der erfahrene jüdische Arbeiter in den Kolonien jederzeit Arbeit finden kann, der neue Ankömmling aber wochenlang vergeblich nach Arbeit sucht. Dieser Mißstand war seit langem bekannt, und es sind schon viele Mittel zu seiner Beseitigung vorgeschlagen worden. Aber erst unsere Farmen haben, indem sie neue Einwanderer als Arbeiter aufnehmen und ein volles Jahr ausbilden, praktisch eingegriffen und Besserung gebracht. Im Laufe der vier bis fünf Jahre ihres Bestehens haben Ben Schemen und Hulda eine stattliche Zahl von Arbeitern ausgebildet, und fast alle sind in Palästina geblieben und haben in den Kolonien ihre Existenz gefunden. (Lebhafter Beifall.) Was sie ihrerseits für die Neubelebung der Kolonien leisten, dafür will ich Ihnen ein Beispiel erzählen. Im vorigen Jahre kauften wir in der seit zwanzig Jahren existierenden Kolonie Kastinieh etwa tausend Dun am Boden und verkauften ihn an auswärtige Käufer. Da die neuen Käufer nicht so schnell kamen und der Boden bearbeitet werden mußte, schickten wir zu diesem Zwecke acht Arbeiter aus Ben Schemen und Hulda nach Kastinieh. Etwa ein halbes Jahr später kamen die Käufer, und wir wollten nunmehr unsere Arbeiter wieder aus Kastinieh zurückziehen. Da erschien b ei mir vollzählig der Waad von Kastinieh und bat mich flehentlich, das nicht zu tun und die Arbeiter weiter in Kastinieh zu belassen. Seitdem die Arbeiter dort seien, herrsche ein ganz anderes Leben in der Kolonie; durch die Arbeiter hätten sie überhaupt erst gelernt, was Arbeit sei, und sie sähen jetzt ein, daß ihre ganze frühere Arbeit ein Gelächter gewesen sei (ich zitiere wörtlich). Sie seien „abgeschwächt" gewesen und hätten die^ Arbeit schon verlernt; jetzt begännen sie selbst wieder, aufs Feld zu gehen. Sie hätten, da sie ja nur eine kleine Kolonie und alte Leute seien, vor den Nachbarn gezittert und hätten kaum Mut gehabt, in diesem Jahre überhaupt zu säen; jetzt, nach der Ankunft der Arbeiter, zitterten die Nachbarn vor ihnen. — Und von dem früheren Lehrer der Kolonie erhielten wir vor kurzem einen Brief, in dem es heißt: « „In letzter Zeit besuchte ich die Kolonie Kastinieh, in der ich früher dreieinhalb Jahre verlebte, für die ich mich auch nachher unausgesetzt interessierte, und die ich also ganz genau kenne. Kastinieh, die nach Bodenqualität und Klima blühen müßte, ist durch verschiedene Umstände so heruntergekommen, daß sie dem völligen Untergang nahe war und von allen fast aufgegeben wurde. Wie groß war daher meine Freude, als ich dort solch einschneidende Verbesserungen traf. Die einst mißmutigen und verzweifelten Kolonisten, die für ihre Arbeit das Interesse bereits verloren hatten, arbeiten jetzt mit freudiger Hingebung und

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