Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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Boden. Die Parzellierungsgesellschaften sollten den Privatkapitalisten Boden in solcher Form anbieten, daß er für sie unmittelbar verwendbar war. Und die Farmen sollten folgende Aufgaben erfüllen: 1. Sie sollten die jungen Leute, die sie als Arbeiter beschäftigen, landwirtschaftlich ausbilden, damit sie nachher als gelernte Arbeiter in die Kolonien gehen könnten. 2. Sie sollten, zum Teil wenigstens, durch genossenschaftliche Organisation der Arbeiter auf der Basis der freien Zuwahl der Genossen den Charakter und das Verantwortungsgefühl der Arbeiter stählen und eine Auslese der Tüchtigsten herbeiführen; 3. Sie sollten alle technischen Neuerungen erproben und eine Form des Betriebes zu finden suchen, die den besonderen Eigenschaften des Juden und den speziellen Erfordernissen der jüdischen Kolonisation angepaßt ist; 4. Sie sollten sich, da ja in ihnen nur jüngere und größtenteils aus nationaler Begeisterung eingewanderte Leute vorhanden waren, zu Zentren reinen nationalen Lebens ausbilden; 5. Sie sollten den Privatkapitalisten nicht nur durch ihr frischeres Leben Mut einflößen, sondern auch praktisch den Nachweis erbringen, daß landwirtschaftliche Betriebe mit jüdischen Arbeitern durchaus möglich sind, und so die Privatkapitalisten zur Nacheiferung anspornen. Also damit — Schaffung von Farmen und Parzellierungsgesellschaften — war die Aufgabe präzisiert; es handelte sich jetzt darum, diese Aufgabe zu verwirklichen. Ich hatte, tum für die Lösung der Aufgabe nicht ganz hilflos zu sein, nach meiner ersten Palästinareise vor Uebernahme des Amtes die Gründung einer ländlichen Parzellierungsgesellschaft mit wenigstens 1 Million Mark Kapital verlangt. Wirklich wurde daraufhin die P. L. D. C. gegründet. Aber statt des Kapitals von 1 Million Mark hatte sie, als ich im Frühjahr 1908 nach Palästina hinüberging, knapp den zehnten Teil, M. 100 000. Dieses Kapital und die etwa M. 200 000 des Vereins Oelbaumspende zur Pflanzung des Herzlwaldes waren — abgesehen von den nicht für Kolonisation verfügbaren M. 100.000 des Palästina-industrie-Syndikates — die gesamte Morgengabe, die man dem Palästinaamte auf den Weg gab. Denn die drei Terrains des Jüdischen Nationalfonds (Kinereth, Ben Schemen und Hulda), die uns gleichzeitig zur Verfügung gestellt wurden, waren nicht ein Vorteil, sondern eine Last. Sie waren an Araber verpachtet und vollständig ausgesogen. Zwei von ihnen waren in Anbetracht ihrer isolierten Lage viel zu klein, nur 2000 Dunam groß, so daß sie eigentlich für keinen einzigen landwirtschaftlichen Zweck paßten, wozu noch kam, daß die Frage der Wässerversorgung auf beiden Terrains noch ungelöst war. Auf der anderen Seite war es eine gebieterische Notwendigkeit, mit diesen Terrains des Jüdischen Nationalfonds irgend etwas anzufangen. Verkaufen durfte der Jüdische Nationalfonds sie nicht; das verboten ihm seine Statuten; sie an Juden zu verpachten, war unmöglich, denn kein Jude konnte daran denken, in diesen ausgesogenen Böden die großen Beträge hineinzustecken, die zu ihrer Bewirtschaftung notwendig waren; die weitere Verpachtung an Araber verbot sich deshalb, weil es von Jahr