Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 197)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 190 — dieser Frage ist jederzeit durch die Generalversammlung des Nationalfonds möglich, die selbstverständlich die in Betracht kommenden Umstände auf das sorgfältigste und gewissenhafteste erwägen wird. Praktisch ist die Uebersiedlung ohne Schwierigkeit durchzuführen, und es wird möglich sein, wenn die Generalversammlung einen solchen Beschluß faßt, das Bureau in der Zeit von wenigen Wochen ohne Störung unserer Arbeit nach Berlin zu verlegen. Doch darf ich wohl, nachdem ich 6 Jahre an der Spitze des Nationalfonds gestanden bin, ein offenes Wort sagen, das meine Person betrifft: Es wird mir gewiß ein großer Schmerz sein, wenn ich die Leitung des Nationalfonds, mit dem mich so viele Fäden verbinden, aus der Hand gebe, aber es ist selbstverständlich, daß ich dann zu meinem größten Bedauern die Leitung in andere Hände legen muß, da der Leiter des Nationalfonds unter allen Umständen an dem Orte wohnen muß, wo die Verwaltung ihren Sitz hat. (Widerspruch.) Ich höre von verschiedenen Seiten Widerspruch und will mich auch darüber äußern. Es ist in weiten Kreisen davon gesprochen worden, daß ich geneigt sei, meinen Wohnsitz nach Berlin zu verlegen. (Lebhafter Beifall.) Ihr Beifall tut mir wohl, aber er kann nicht verhindern, daß ich doch das sagen werde, was ich mir vorgenommen habe. Es ist der Wunsch geäußert worden und es ist erfreulich, daß man diesen Wunsch so laut betont; aber wenn dies auch eine rein persönliche Sache ist, halte ich es doch für meine Pflicht, hierüber völlige Klarheit zu schaffen, ehe Sie ihre diesbezüglichen prinzipiellen Beschlüsse fassen. Man hat mir angeboten, den Posten des Präsidenten des Nationalfonds zu besolden, und zwar in einer so weitherzigen Weise, daß mir eine Uebersiedlung materiell möglich gemacht werden könnte. Ich habe alle Anregungen in dieser Richtung rundweg ausgeschlagen. Den Grund möchte ich mit einem Worte erwähnen. Ich habe bisher meine Ehre darein gesetzt, die Arbeiten des Nationalfonds, die oft Zeit und Kraft in erheblicher Weise in Anspruch nahmen, ohne jedes Entgelt im Ehrenamt zu verwalten. Nachdem ich diesen Standpunkt durch viele Jahre festgehalten habe, widerstrebt es meinem Empfinden in der Stellung als gewählter Präsident des Nationalfonds auf ein Gehalt durch den Nationalfonds meine Existenz aufzubauen. (Lebhafter Beifall.) Ich habe auch den Eindruck, daß dies dem Nationalfonds selbst Schaden bringen könnte. (Rufe: In keiner Weise!) Ich sage nur meine Meinung, die meinem Empfinden entspricht. Der Vorsitzende des Nationalfonds befindet sich in dieser Hinsicht in einer exzeptionellen Lage. Ich bin durchaus nicht gegen das Prinzip der Honorierung der obersten Exekutivbehörde, ich würde es aber für einen großen Fehler halten, den Vorsitzenden des Nationalfonds zu besolden, der auf eine Sammeltätigkeit und eine opferwillige Mitarbeit der Juden der ganzen Welt gestellt ist. Er kann mit weit größerem Nachdruck an die Opferwilligkeit der Juden der ganzen Welt appellieren, wenn er selbst auch das Opfer bringt, seine Zeit und