Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 187 — diesem Unternehmen einen richtigen Weg betreten haben, und daß sich der Nationalfonds eine große Sympathie durch seine kolonisatorische Arbeit auch in weiteren jüdischen Kreisen erworben hat, konnten wir bei dieser Gelegenheit feststellen. Insbesondere haben sich an diesem Werk Kultusgemeinden in Oesterreich und Italien beteiligt, ferner der Kolanisationsverein „Esra" in Berlin und der jüdische Kolonisationsverein in Wien, der sich mit 10 000 Kronen beteiligt" hat, B'nai B'rith Logen in hervorragender Weise in Oesterreich wie z. B. die Loge in Prag mit 6000 Kronen und auch die Großloge für Deutschland. (Lebhafter Beifall.) Bei einer so umfassenden Tätigkeit, wie sie der Nationalfonds entfaltet hat, konnte es nicht ausbleiben, daß auch die Kritik zu Worte kam. Ich darf wohl sagen, daß wir alle Aeußerungen der Kritik, soweit sie uns zu Ohren kamen, mit der größten Objektivität geprüft haben und bestrebt waren, wenn sich irgendwie ein berechtigter Kern in denselben zeigte, diesen Fragen nachzugehen. Ich muß aber sagen, es tut mir leid, daß gerade bei diesem Punkte, soviel ich sehe, die Gruppe der Poale Zion hier nicht Vertreten ist oder in ganz geringer Zahl, und ich konstatiere, daß ich nicht gefunden habe, daß der Nationalfonds Veranlassung hatte, von seinen wohlerwogenen Grundsätzen der Verwaltung abzugehen. Wenn man diese Kritik einer allgemeinen Prüfung unterzieht, so ist zunächst auffallend, daß dieselbe sich gewissermaßen gegenseitig aufhebt. Herr Kann warnt vor einer weiteren Beteiligung des Nationalfonds an allen palästinensischen landwirtschaftlichen Unternehmungen und möchte denselben, wenn irgend möglich, auf die Kreditgewährung an die A. P. C. beschränken. Die Poale Zion hingegen und vor allem Herr K a p 1 a n s k y, — ich weiß nicht, ob er hier ist; sie werden es ihm ja jedenfalls nachher mitteilen — verlangen, daß alle Kapitalien in landwirtschaftlichen Unternehmungen anzulegen seien. Ein palästinensischer Schriftsteller warnt wiederum davor, das Schwergewicht aut die Heranbildung und Förderung des Arbeiterelementes zu legen, wogegen die Poale Zion diese Forderung auf das lebhafteste vorbringen und ein System der Heranbildung von Arbeitern in den Farmen des Nationalfonds vertreten. Immerhin möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß mir die Beschlüsse der Poale Zion sowie des „Hapoel Hazair" über das System einer Ausbildung der Arbeiter recht beachtenswert erscheinen. Auch mir ist der Gedanke sehr sympathisch, aut den Farmen des Nationalfonds und ebenso der Siedlungsgesellschaft nur Arbeiter aufzunehmen, die sich bereits landwirtschaftlich in den Kolonien betätigt haben. Wie mir aber von sachverständiger Seite mitgeteilt wird, ist leider eine mehrjährige Beschäftigung von Arbeitern in unseren jetzigen Pflanzungskolonien noch kein hinreichender Beweis für eine genügende landwirtschaftliche Vorbildung zum Zwecke einer speziellen Ausbildung auf unseren Wirtschaften. Durch die Einrichtung von Wirtschaften, die vorbildlich sein sollen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, dürfte es vielleicht dennoch möglich sein, die Arbeiter in der Erwerbung von Spezialkenntnissen zu fördern.