Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 175)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 168 — Bankgelder wirklich für Zwecke, mit denen die Bank nichts zu tun hat, verwendet werde. Geehrter Kongreß! Wir haben keine Gelder von der Bank gefordert. Man hat von 10 000 Pfund gesprochen. Hier hat es sich jedoch um einen Zweck des Jüdischen Nationalfonds gehandelt, der übrigens nicht praktisch geworden ist. Es ist ein Irrtum, daß wir das Geld von der Bank gefordert haben. Wir haben von der Bank mit einer ganz unwesentlichen Ausnahme nichts ohne Garantie gefordert. Die Garantien aber waren immer derart, daß sie uns auch eine andere Bank diskontiert hätte. Es klingt doch merkwürdig, daß man immer uns gegenüber sagt, wir könnten die Banken gefährden, und die Leute, die das sagen, sind doch einmal in der Zwangslage gewesen, von der Bank Gelder für zionistische Zwecke zu nehmen, und haben es ohne Garantie genommen und nicht wiedergegeben. (Beifall.) Die Frage, um die es sich handelt, ist eine moralische. Es geht nicht an, daß das Actions- Comite mit außenstehenden Organisationen in Dingen verhandelt, welche irgend etwas mit wirtschaftlichen Verhältnissen zu tun haben, und daß dieses E. A. C. das Mal an der Stirn trägt, daß es von Ihnen selbst in wirtschaftlichen Dingen nicht für zuverlässig gehalten wird. Sie wissen alle, daß es sich um wichtige Verhandlungen gehandelt hat, und daß wir gewisse Erfolge erreicht haben, die für die Zukunft wichtig sind, daß wir zum ersten Male für unsere zionistischen Institutionen Kredite von außerhalb bekommen haben. Und wenn diese Geschäfte einen großen Umfang annehmen sollen, dann müssen Sie nach außen hin auch di? Situation schaffen, daß man mit uns verhandelt und nicht mit jemandem, dem Sie offiziell selbst bestätigen, daß er in kaufmännischen Dingen unzuverlässig ist. (Lebhafter Beifall.) Geehrter Kongreß! Im Auftrage einiger Herren ist uns ein Ultimatum erklärt oder zum mindesten in Aussicht gestellt worden. Herr Motzkin oder Herr Dr. Weizmann sagte, wir nehmen das nicht ernst. Ich möchte mich nicht so ausdrücken. Eins aber ist mir klar: Ultimaten darf es in der zionistischen Organisation nicht geben. (Stürmischer Beifall.) Von einem Zionisten, der sich aus der Organisation zurückzieht, weil seine Ansicht nicht durchgedrungen ist, von dem wissen wir, er war nie Zionist. (Lebhafte Zustimmung.) Und die Männer, um die es sich hier handelt, sind Zionisten und deswegen können sie sich nicht zurückziehen. (Erneuter lebhafter Beifall.) Aber, geehrter Kongreß, ich bitte, daß man im Interesse der Zukunft unserer Organisation sich scheut, solche Worte auch nur zu gebrauchen. Wir stehen noch in den Anfangsstadien unserer Bewegung. Noch haben wir für alle Plätze, die wir besetzen müssen, nur wenige Kandidaten. Die Zeit wird kommen, wo jeder Platz besetzbar ist, wo genügend Kandidaten vorhanden sein werden. Heute, wo dies noch nicht der Fall ist, seien wir vorsichtig. Wir erklären Ihnen ohne Umschweife: es ist eine moralische Notwendigkeit für uns, daß Sie diesen Beschluß, den man in der Notwendigkeit einmal hat fassen müssen, revidieren. Wie Sie ihn revidieren, welche Form Sie finden, das ist Ihre Sache. Wir sind nicht hierher gekommen, um jemanden zu verdrängen. Wir dürfen niemanden verdrängen. Alle müssen Platz haben zu arbeiten; aber wir sind überzeugt, daß die zionistische Atmosphäre, die Sie mit uns zusammen in diesen zwei Jahren geschaffen haben, so zionistisch ist, daß jeder von uns die Möglichkeit hat, mit jedem von uns in ihr zu arbeiten. (Stürmischer, langanhaltender, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es werden jetzt noch einige persönliche Bemerkungen erfolgen. Nach unserer Geschäftsordnung haben die Redner nur eine Zeit von fünf Minuten für diese persönlichen Be-